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Magazin für Umwelt- und Tierschutz


 Öko-Zertifizierung von Fisch- und Fischereiprodukten

Inhalt

1 Der Marine Stewardship Council
    1.1 Problem Überfischung
    1.2 Das MSC Siegel
    1.3 Prinzipien und Kontrolle
    1.4 Zertifizierte Unternehmen
2 Kritik der Umweltverbände
    2.1 Steuerung des MSC
    2.2 Zu frühzeitige Zertifizierung
    2.3 Keine Begrenzung
    2.4 Kleine Fischereien
    2.5 Also keine Unterstützung?
3 Der Verbraucher ist gefragt
4 Nachrichtensammlung
    4.1 Symposium in Hamburg (25.2.2008)
    4.2 Erstes Betriebsrestaurant mit MSC-Logo (15.4.2008)
    4.3 Forderung des WWF
    4.4 Bald auch Tunfisch aus der Dose mit Ökosiegel
Quellen
Aktualisierungen

1 Der Marine Stewardship Council

1.1 Problem Überfischung

Neben dem Klimawandel ist weiterhin die Fischerei die stärkste Belastung für die Ökosysteme der Meere. Das sagt unter anderem das Bundesumweltministerium. Die Meere sind derart überfischt, dass viele der wirtschaftlich nutzbaren Fischarten gefährdet sind. Drei Viertel der Fischbestände weltweit gelten bereits 2008 als überfischt oder stehen kurz davor. Die Tierschutzorganisation Yaqu Pacha weist in ihrer derzeitigen Ausstellung „Deadline“ darauf hin, dass bis 2048 alle gegenwärtig genutzten Fisch-, Muschel- und Krustentiergründe kollabieren werden, wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetzt. Dabei beruft sie sich auf eine Studie, die am 3.11.2006 im Magazin Science veröffentlicht wurde.

Schuld daran sind Fangmethoden, die nicht auf eine bestimmte Fischart ausgerichtet sind (unselektiv). Zudem zerstören Methoden wie das Fischen mit schweren Bodenschleppnetzen oft ganze Lebensräume (destruktiv). So sind auch wirtschaftlich nicht genutzte Arten betroffen. Auf diese Weise wird die Vielfalt der maritimen Lebenswelt insgesamt in Mitleidenschaft gezogen. Neben den Fischen sind auch Seevögel, Meeressäuger, Haie und Rochen sowie die am Meeresboden lebenden Tier- und Pflanzenarten betroffen. Ihre Lebensräume werden zerstört. Dazu kommt, dass laut Weltklimarat IPCC auch der Klimawandel nur dann in den Griff zu bekommen ist, wenn auch der Zustand der Ozeane stabilisiert wird. Da fragt sich der Fischkunde, welchen Beitrag er denn leisten kann, um die Ökosysteme des Meeres dennoch zu erhalten. Die einfachste und effektivste Lösung wäre, keinen Fisch mehr zu essen. Doch das ist ein Weg, zu dem viele nicht bereit sind.

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1.2 Das MSC Siegel

Eine andere Möglichkeit, diesem Raubbau zu begegnen, ist die Öko-Zertifizierung von Fisch- und Fischereiprodukten. Zertifizierte Fischereien müssen den Nachweis erbringen, dass sie nicht zur Überfischung der Meere beitragen und den Ökosystemen der Meere nur begrenzt Schaden zufügen. Naturverträgliche Fischereimethoden dienen dem Schutz der biologischen Vielfalt der Meere. Sie könnten dazu beitragen, diese für Milliarden von Menschen wichtigen Proteinquelle nachhaltig zu nutzen. Sie könnten einen Beitrag zu einem nachhaltigen Fischfang leisten.

Die gemeinnützige Organisation Marine Stewardship Council (MSC) hat sich dieser Aufgabe verschrieben. Die Organisation wurde 1997 vom Konzern Unilever als weltweit größten Käufer und Verarbeiter von Fisch und Meeresfrüchten und dem Word Wide Fund for Nature (WWF) gegründet. Seit 1999 ist sie nach eigenen Angaben gänzlich unabhängig. Finanziert wird sie heute von einem breiten Spektrum von Sponsoren, darunter karitative Organisationen und kommerzielle Unternehmen. Die Organisation mit Sitz in London gibt als Gütezeichen das MSC-Siegel heraus.

Zielsetzungen sind:

  • Sicherung der Fischbestände der Zukunft
  • Verbesserung der Fischerei-Management-Praktiken durch einen handelsbasierten Ansatz
  • Versorgung der Kunden mit der „ökologisch besten Wahl bei Fischen und Meeresfrüchten“ („the best environmental choice in seafood“).

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1.3 Prinzipien und Kontrolle

Dazu hat das MSC drei Prinzipien aufgestellt:

Prinzip 1: Zustand der Fischbestände
Es wird ermittelt, ob ausreichend Fisch vorhanden ist, um eine nachhaltige Fischerei zu betreiben. Die Bestände dürfen also nicht überfischt sein.

Prinzip 2: Auswirkungen der Fischerei auf die marine Umwelt
Untersuchungen sollen die Auswirkungen der Fischerei auf die unmittelbare Umgebung ermitteln. Dazu gehören Beeinträchtigungen von Fischen, Meeressäugetieren und Seevögel.

Prinzip 3: Die Managementsysteme der Fischerei
Dabei beurteilt der MSC, ob die angewandten Regeln und Verfahren sowie die Art ihrer Anwendung den Lebensraum Meer wirklich nur minimal beeinträchtigen. Hier geht es darum, durch geeignete Fangmethoden den Schaden zu begrenzen, den die Fischer zwangsläufig dem Lebensraum zufügen.

MSC erfüllt laut WWF als einziges Siegel weltweit die strengen Kriterien der UN-Welternährungsorganisation FAO für nachhaltige Fischerei. Die Organisation entwickelte ihren Umweltstandard gemeinsam mit Wissenschaftlern, Fischereiexperten und Umweltschutzorganisationen den Umweltstandard für die Beurteilung und die Auszeichnung der Fischereien. Er garantiert gesunde Fischbestände, schreibt schonende Fangmethoden und damit die Bewahrung einer intakten Meeresumwelt vor. Zudem sorgt der MSC für effiziente Kontrollen. Unabhängige Gutachter prüfen, ob die Fischereien die MSC-Kriterien einhalten. Dazu beauftragt der MSC unabhängige, von ihm zur Bewertung von Fischereien autorisierte Organisationen.

MSC-Siegel

Abbildung: Das Gütezeichen
(Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Marine Stewardship Council)

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1.4 Zertifizierte Unternehmen

Die erste zertifizierte Fischerei war 2000 die Westaustralische Steinhummer-Fischerei. Zu Beginn des Jahres 2006 waren weltweit 15 Fischereien mit 223 Produkten zertifiziert, die in 23 Ländern verkaufen. Dazu gehört auch die weltweit größte Fischerei von Alaska-Seelachs im Golf von Alaska. Erfaßt waren 2006 schätzungsweise 32 Prozent der weltweiten primären Fänge von Weißfisch und 42 Prozent der weltweiten Fänge von Lachs. Laut WWF hat sich die Zahl der Fischprodukte mit dem MSC-Siegel seit 2005 nahezu verfünffacht. Weltweit tragen es etwa 1200 Erzeugnisse. Weltweit wurden Anfang 2008 26 Fischereien nach den strengen Regeln des MSC zertifiziert, weitere 63 befanden sich derzeit im Prüfungsverfahren. „Damit beteiligen sich bereits mehr als sieben Prozent der globalen Meeresfischereien am MSC-Programm“, so WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht.

Der Marktanteil von MSC-Produkten wurde Anfang 2008 in Deutschland auf etwa zehn Prozent geschätzt. Mehr als 150 MSC-Produkte sind hierzulande erhältlich. Alaska-Seelachs und Wildlachs aus dem Pazifik, Hering aus dem Nordostatlantik und südafrikanischer Seehecht tragen in Deutschland das Öko-Label. Als erste deutsche Fischerei bemühte sich im Frebruar 2008 die Seelachsfischerei der Erzeugerorganisation Nordsee in Cuxhaven um den MSC-Standard. Sie operiert in der nördlichen Nordsee und landet etwa 12.000 Tonnen Seelachs pro Jahr an. Der Großteil des Fangs wird an deutsche Kunden verkauft. Sie wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2008 zertifiziert. Das Bundesumweltministerium sieht die Fischwirtschaft und den Handel auch als geeignete Partner für ihre „Business & Biodiversity“ Initiative. Dabei übernehmen die Unternehmen Verantwortung zum Schutz der Biologischen Vielfalt und legen dies mit einer öffentlichen Erklärung dar.

Am 28.5.2008 begrüßte der MSC sein 100. Mitglied, die Atlantische Deep Sea Red Crab Fischerei. In der Bewertung befanden sich zu der Zeit 74 andere Fischereien, 25 waren bereits zertifiziert. Das Spektrum reicht von kleinen Fischereien von Größe einer Gemeinde bis hin zu den größten Fischereien der Welt in Amerika, Europa und Neuseeland. Sie fangen jährlich mehr als 5 Millionen Tonnen Seefrüchte unterschiedlichster Arten.

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2 Kritik der Umweltverbände

Hersteller und Einzelhändler sind vom Siegel angetan, nicht aber Umweltverbände wie Greenpeace. Dabei gibt es vier Kritikpunkte:

2.1 Steuerung des MSC

Seit 2003 hält Greenpeace eine veränderte Zusammensetzung des MSC-Vorstandes für notwendig. Die Fischwirtschaft sei dort stark vertreten. Da der Vorstand aber das Kontrollgremium für das Siegel und die Einhaltung der Prinzipien ist, kontrolliert sich die Fischindustrie selbst. Hier hält Greenpeace eine demokratischere Struktur mit einem besseren Anteil von Interessensvertretern für notwendig.Die drei Bereiche Ökologie, Soziales und Wirtschaftlichkeit sollten in den Entscheidungsgremien des MSC gleichberechtigt vertreten sein. Weiter solle sich der MSC mehr auf Eingaben und Kritikpunkte von Umweltorganisationen einlassen. An diesem Kritikpunkt hat sich bis Mitte 2008 nichts geändert. Greenpeace ist im Vorstand nicht vertreten.

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2.2 Zu frühzeitige Zertifizierung

Wichtigste Kritik ist, dass die Zertifizierung bereits an solche Fischereien vergeben wird, die einen ersten Satz von Standards erfüllen. Darüber hinaus reicht es aus, einen Aktionsplan zu verabschieden, um die Art der Fischerei in Zukunft zu verbessern. Damit will der MSC erreichen, dass die Unternehmen ihre Methoden künftig schonender und nachhaltiger gestalten. Die Umweltorganisationen sind dagegen der Meinung, dass damit nicht das Vorsorgeprinzip als Kerngedanke einer ökologischen Fischerei anerkannt wird. Das Vorsorgeprinzip sei in den Kriterien so schwach formuliert, dass der Ansatz weit hinter den Forderungen internationaler Abkommen (UN-Abkommen zum Schutz von weit wandernden Fischbeständen, FAO-Verhaltenskodex für eine bestandserhaltende Fischerei) zurückbleibt. So reiche es bei einem überfischten Bestand aus, mit einem Erholungsprogramm zu beginnen. Doch es kann keinen „Öko-Fisch“ aus überfischten Beständen geben. Ein Erholungsprogramm kann nur bedeuten, dass die Fischerei zeitweise eingestellt wird.In dieser Zeit kann also kein Fisch gefangen und daher auch nicht zertifiziert auf den Markt kommen.

Unter den 15 Fischereien mit MSC Siegel befinden sich die Hoki-Fischerei vor Neuseeland, die Alaska-Seefisch-Fischerei und die Südgeorgien-Fischerei. Sie alle werden von Nicht-Regierungs-Organisationen verurteilt. Als Beispiel nennt Greenpeace die Kritikpunkte an der Hoki-Fischerei:

  • den Beifang von Robben, Albatrossen, Sturmvögeln und Haien, darunter bedrohte Arten, Rund 1000 Pelzrobben werden hier jährlich getötet.
  • das Management zweier Fischarten unter einer Quote,
  • den Niedergang des westlichen Bestandes,
  • das Fehlen eines Managementplans und
  • die Schäden, die durch die Grundnetzfischerei verursacht werden.

In diesem wichtigen Punkt sind der MSC und Greenpeace auch Mitte 2008 noch gegensätzlicher Auffassung. Der MSC versucht, seine Kriterien weiter zu verbessern. Immerhin gibt er den Fischereien nun eine Zeitlinie mit Terminen vor. Darin schreibt er vor, wann welche Auflage zu erfüllen ist. Es verändert sich also etwas. Dennoch bleibt die Frage, wann das Siegel auf der Verpackung erscheinen sollte. Frühzeitig, um einen Anreiz zu schaffen und damit Bewegung in den Markt zu bringen oder erst nach der vollzogenen Umstellung, wie es laut Greenpeace wünschenswert wäre. Mit geringen Hürden ist es auch leichter, die Fischereien zur Umstellung zu bewegen. Nur: Sind sie erst einmal niedrig angesetzt, ist es schwer, sie wieder hochzusetzen. Was aber Greenpeace besonders kritisiert, ist die Zertifizierung von Fischereien mit Grundnetzfischerei. Bei dieser Methode durchpflügt das Netz den Meeresboden und beschädigt die empfindlichen Lebensräume irreparabel. Auch wenn der Fischbestand in Ordnung ist, stehen hier die „Kollateralschäden“ im Vordergrund.

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2.3 Keine Begrenzung

Außerdem sei das Zertifizierungsprogramm nicht durch Größe, Ausmaß, Art, Lage oder Intensität der Fischerei begrenzt. Das ist auch noch Mitte 2008 so.

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2.4 Kleine Fischereien

Der MSC war bisher nicht in der Lage, eine ausreichende Anzahl von Fischereien aus Entwicklungsländern zu zertifizieren. Außerdem war er laut Greenpeace nicht in der Lage, die Standards auf kleine Fischereien zu übertragen, zu denen wenig Daten vorliegen. 2006 waren nur zwei kleine Fischereien in Südafrika und Mexiko zertifiziert. Für deren Bedürfnisse wären spezielle Prüfsysteme und Verifizierungen notwendig. Ein vorgeschlagenes Instrument dazu wurde zurückgewiesen. Greenpeace wirft dem MSC daher kommerzielle Interessen vor. Der Verband fordert unter anderem Prämien auf Produzentenebene. An diesen Tatsachen hat sich bis Mitte 2008 nichts geändert.

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2.5 Also keine Unterstützung?

Ein vertrauenswürdiges Öko-Siegel hält Greenpeace für dringend erforderlich. Nur wenn Verbraucher die Wahl haben, können sie mit ihrer Kaufentscheidung eine Veränderung hin zu einer ökologischen Wirtschaftsweise herbeiführen. MSC ist trotz der Kritik die beste Zertifizierung, die es zur Zeit gibt. Viele Umweltorganisationen unterstützen sie zwar nicht, arbeiten aber mit ihr zusammen. So fand 2006 eine Reform statt, die Steuerung, Transparenz, Qualität und Konsistenz der Zertifizierung verbessern sollte. Die Organisationen versuchen dabei, ein stärkeres, breiter akzeptiertes Gütesiegel für nachhaltige Meeresprodukte zu schaffen. Für Greenpeace sollten dabei folgende Forderungen im Vordergrund stehen:

  • keine Zertifizierung von Produkten aus überfischten Beständen,
  • keine Zertifizierung von Produkten aus Fischereien, bei denen bedrohte Arten gefangen werden,
  • keine Zertifizierung von Produkten mit hoher Beifangrate oder anderen zerstörerischen Auswirkungen und
  • gleichberechtigte Vertretung der Bereiche Ökologie, Soziales und Wirtschaftlichkeit im MSC-Vorstand.

Dazu Greenpeace: Das MSC Siegel ist der Schritt in die richtige Richtung. Es hat Bewegung in die Fischereiindustrie gebracht. Auch Supermärkte und Discounter listen nun vermehrt MSC Produkte, nicht zuletzt auch durch die Arbeit von Greenpeace. Man trifft nicht die ideale Wahl, aber die bessere Wahl. Es ist besser als das, was man früher hatte.

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3 Der Verbraucher ist gefragt

Der WWF empfiehlt Verbrauchern, beim Fischkauf auf das ovale MSC-Siegel mit dem stilisierten weißen Fisch zu achten. Das sagt auch Staatssekretär Müller vom Bundesumweltministerium: „Durch ein gezieltes Kaufverhalten können auch Verbraucherinnen und Verbraucher einen positiven Einfluss auf die Fischerei ausüben und einen Beitrag zum Schutz der Meere leisten.“ Kunden können nun entscheiden und in der bedrohlichen Lage, in der sich die Meere befinden, sollten sie es auch tun. Denn jede Entscheidung für einen Händler oder bestimmtes Produkt ist auch eine Entscheidung für oder gegen die Bedingungen bei Produktion und Vertrieb. Und in diesem Fall gehören zur Produktion die Fangmethoden der Fischerei.

Eine Liste der Händler, die zertifizierten Fisch anbieten, ist im deutschsprachigen Bereich der Website des MSC http://de.msc.org/ zu finden. Dort wählt man oben in der blauen Navigationsleiste „Wo kaufen?“ aus und wählt anschließend links in der Navigation „Wählen Sie einen Unterabschnitt“ den Namen seines Landes, wie Deuschland, Österreich oder Schweiz. Für jeden Händler sind dort die zertifizierten Produkte aufgelistet.

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4 Nachrichtensammlung

4.1 Symposium in Hamburg (25.2.2008)

Am 25. Februar 2008 nahm der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium (BMU) Michael Müller an dem Symposium „Ökozertifizierung in der Fischerei – Ein Beitrag von Fischwirtschaft, Handel und Gastronomie zum Schutz der marinen biologischen Vielfalt“ in Hamburg teil. Auf Einladung des Bundesumweltministeriums diskutieren dort Politiker, Händler, Gastronomen, Fischereiverbände und Umweltschützer über „Ökozertifizierung in der Fischerei“. Dabei lobte er das Engagement der Fischwirtschaft für den Meeresumweltschutz. „Immer mehr Fischer, Verarbeiter und Händler haben erkannt, dass intakte Lebensgemeinschaften in Meeren und Gewässern ihre wirtschaftliche Grundlage sind und steuern mit eigenen Initiativen dem Raubbau an der Natur entgegen.“, erklärte Müller. „Dabei spielen Öko-Zertifikate eine wachsende Rolle.“ Der WWF bestätigt die wachsende Bedeutung. „Deutschland gehört inzwischen zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an ökozertifizierten Fischprodukten.“, ergänzt Müller.

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4.2 Erstes Betriebsrestaurant mit MSC-Logo (15.4.2008)

Als bundesweit erstes Betriebsrestaurant darf die Kantine des Bundesumweltministeriums in Bonn Fischgerichte mit dem MSC-Logo anbieten. „Das Bundesumweltministerium möchte mit der Ökozertifizierung Vorbild sein und Gastronomie- und Cateringunternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbrauchen zeigen, dass es für jeden möglich ist, Einfluss auf die Fischereipraktiken zu nehmen“, so Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Die mit dem MSC-Siegel ausgezeichneten Fischereien sorgen dafür, dass ausreichend Fisch für die Zukunft vorhanden ist, dass Lebensräume im Meer intakt bleiben und gefährdete Arten geschützt werden. Unabhängige Gutachter prüfen, ob die Fischereien die MSC-Kriterien einhalten.

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4.3 Forderung des WWF

Der WWF fordert, dass auf Dauer alle gefährdeten Arten aus den Fischtheken verschwinden und verweist dabei auf das Vorbild der Niederlande. Dort hat der Handel beschlossen, ab 2011 nur noch MSC-Fisch anzubieten.

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4.4 Bald auch Tunfisch aus der Dose mit Ökosiegel

Tunfisch aus der Dose wird umweltverträglicher. Das bedeutendste Fanggebiet für den weltweit beliebten Skipjack-Tunfisch im sogenannten Korallen-Dreieck will seine Fangmethoden erstmals nach den Nachhaltigkeitskriterien des Marine Stewardship Council (MSC) zertifizieren lassen. 40 Prozent der Skipjack-Fischerei aus dem westlichen Teil des indopazifischen Korallendreiecks soll bis 2011 das blaue Öko-Label tragen. Dies beschlossen acht Anrainerstaaten der Meeresregion in einem gemeinsamen Fischereiabkommen. Der WWF begrüßt die Entscheidung als wichtigen Schritt für den Umweltschutz in besonders artenreichen und empfindlichen Meeresgebiet zwischen den Philippinen, Indonesien und Papua Neuguinea. Ein Viertel des weltweiten Angebots an Skipjack-Tunfisch wird in dieser westpazifischen Region gefangen und vor allem als Dosenprodukt angeboten. Der Pro-Kopf Verzehr von Dosentunfisch liegt in Deutschland bei 1,6 Kilo jährlich.

„Mit einer erfolgreichen MSC-Zertifizierung kommt Bewegung in einen Massenmarkt der globalen Fischerei. Das Bekenntnis zur nachhaltigen Bewirtschaftung einer ökonomisch so wichtigen Fischerei sollte Signalwirkung für die gesamte Industrie haben“ sagt Catherine Zucco, WWF- Fischereiexpertin. „Diese Zertifizierung wird dem Verbraucher die Möglichkeit geben, den Einsatz von selektiven und nachhaltigen Fangmethoden beim Kauf zu belohnen.“ Umweltverträgliche Fangmethoden in der Skipjack-Fischerei schonen die bereits stark dezimierten Bestände von Gelbflossen- und Großaugen-Tunfisch. Besonders Jungtiere dieser beiden Arten enden in der konventionellen Fischerei häufig als Beifang und können so nie für Nachwuchs sorgen.

Der WWF wird den Zertifizierungsprozess aktiv begleiten damit alle notwendigen Naturschutz- und Managementrichtlinien berücksichtigt werden. Nachhaltige Nutzung der Tunfischbestände birgt eine besondere Herausforderung: „Tunfische wandern weit. Sie durchkreuzen dabei Fanggebiete mehrerer Anrainerstaaten und werden von Fangflotten verschiedener Nationen befischt. Die internationale Zusammenarbeit im Management der Bestände muss daher weiter verbessert werden“ sagt Catherine Zucco, WWF- Expertin für Meeresfischerei.

Die Skipjack oder auch Bonito genannte Tunfischart wird überall auf der Erde konsumiert, was die Skipjack-Fischerei zu einer der größten weltweit macht. Allein 2008 wurden 1,6 Millionen Tonnen mit einem Gesamtwert von 1,5 Milliarden US Dollar im westlichen Zentral-Pazifik gefangen.

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Quellen

Cederquist, 2003: Andrea Cederquist, Grünes Licht für Ökofisch?, Greenpece, 3/2003, msc-stellungnahme_12-3-03.pdf

Greenpeace, 2006: Greenpeace-Redaktion, Greenpeace Position zum "Marine Stewardship Council" (MSC), PDF Dokument, 9.11.2006

Kampwirth, 2008: Ralph Kampwirth, MSC-Fisch auf dem Vormarsch, WWF, Presse-Newsletter, 25. Februar 2008

König, 2010: Britta König, WWF begrüßt MSC Zertifizierung der Fischerei auf Tunfisch im Korallen-Dreieck, Pressemitteilung, WWF, 1.3.2010

MSC, 2008: Celebrating a 100 fisheries milestone, Pressemitteilung, MSC, 28.5.2008

Schroeren, 20008a: Michael Schroeren, Astrid Klug: Bundesumweltministerium setzt auf nachhaltige Fischerei, Kantine des Bundesumweltministeriums ökozertifiziert, Pressemitteilung Nr. 066/08, 15. April 2008

Schroeren, 208b: Michael Schroeren (verantwortlich), Engagement der Fischwirtschaft zum Schutz der Meere, Symposium zu Öko-Zertifikaten für Fischprodukte, Pressemitteilung, Bundesumweltministerium, Deutschland, 25. Februar 2008

Website MSC, 2008: Website Marine Stewardship Council, http://www.msc.org

 

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Autor

Autor: Jörg Wieprzeck
Copyright: © 2002–2010 Biosphaere www.biosphaere.info

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Aktualisierungen

25.02.2008: Artikel angelegt

26.02.2008: Logo eingefügt und Adresse der Liste zertifizierter Produkte nachgetragen.

18.04.2008: „Erstes Betriebsrestaurant mit MSC Logo“ hinzugefügt und Text überarbeitet.

04.06.2008: Kritik von Greenpeace eingefügt.

03.03.2010: 40 Prozent der Skipjack-Tunfisch-Fischerei aus dem westlichen Teil des indopazifischen Korallendreiecks soll bis 2011 das blaue Öko-Label tragen.

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