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Magazin für Umwelt- und Tierschutz
1 Fließgewässertemperaturen
1.1 Einleitung
1.2 Wasserquellen
1.3 Natürliche Einflüsse auf die Energiebilanz
1.4 Menschliche (anthropogene) Einflüsse auf die Energiebilanz
1.4.1 Kraftwerke
1.4.2 Kläranlagen
1.4.3 Talsperren und Seen
1.4.4 Einfluß der Abflussmenge
2 Auswirkung des Treibhauseffektes
2.1 Einflüsse
2.2 Bisherige Entwicklung der Durchschnittstemperaturen
3 Folgen
3.1 Tier und Pflanzenwelt
3.2 Stromproduktion
4 Was kann man tun?
Quellen
Aktualisierungen
Am Wochenende könnten die Flüsse Rhein und Neckar die kritische Wassertemperatur von 28 Grad Celsius erreichen. Das Umweltministerium des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg teilte mit, dass dann die Kraftwerke entlang der beiden Flüsse vom Netz genommen werden müssten. Das fortgesetzte Einleiten von Kühlwasser würde die Wassertemperatur weiter erhöhen. Biosphaere nennt in diesem Artikel die Hintergründe der aktuellen Situation im Juli 2010.
Das Wasser der Erde zirkuliert in einem Kreislaufsystem, das sowohl durch die Atmosphäre, als auch oberhalb und unterhalb der Erdoberfläche verläuft. Unter der Erde fließendes Wasser nennt man Grundwasser. An manchen Orten tritt es als Quelle wieder an die Oberfläche. Nun spricht man von einem Fließgewässer. Mehrere von ihnen können sich vereinigen. Mehrere Bäche bilden einen Fluss und mehrere Flüsse einen Strom. Ein Flusssystem ähnelt der verzweigten Krone eines Baumes. Deshalb gibt es auch nicht die eine Quelle, sondern ein Einzugsgebiet, aus dem sich ein Fluss speist. Er fließt zu den tiefgelegenen Gebieten der Erdoberfläche und mündet dort in Seen und Meere. Seine Wassermenge bleibt nicht konstant. Ein Teil versickert durch das Flussbett wieder in den Boden und bildet dort erneut Grundwasser. Regen fällt aus den Wolken und sammelt sich in den Flussystemen.
Fließgewässer speisen sich also aus zwei Quellen: Dem Grundwasser und den Niederschlägen. Das hat Auswirkungen auf ihre Temperaturen. Grundwasser hält sich über mehrere Jahre im Untergrund auf. Deshalb entspricht seine Temperatur der langjährigen Mitteltemperatur der Luft und variiert nur in geringem Maße. Mit dieser Temperatur tritt das Wasser an der Quelle zutage. Niederschläge wie Regen sind viel mehr durch kurzzeitige Temperaturänderungen wie in heißen Sommern beeinflusst. Sie werden von der Sonne bestrahlt, haben direkten Kontakt zur Atmosphäre und nehmen die Temperatur der Bodenschichten an, die sie durch- oder überfließen. So können sie sich erwärmen oder abkühlen. Intensive Schneeschmelzen zum Beispiel sorgen für Zufuhr von etwas über 0 Grad kaltem Wasser. In heißen Monaten dagegen heizen sich Dächer oder Straßen extrem auf. Aber auch die Luft erwärmt sich. Warme Luft steigt durch Konvektion auf und kann Wolken mit in die Höhe ziehen. Der Wasserdampf der Wolken kondensiert in den höhergelegenen, kühleren Luftschichten zu Tröpfchen und fällt als Regen zu Boden. Auf den heißen Dächern und Straßen heizt er sich auf, sammelt sich in den Flüssen und sorgt dort für einen kurzzeitigen Temperaturanstieg.
In Jahren mit geringen Niederschlägen bestimmt daher hauptsächlich das Grundwasser und damit die langjährige Mitteltemperatur die Gewässertemperatur an der Quelle, in regenreichen Jahren dominieren die kurzzeitigen Temperaturschwankungen. Einmal an der Oberfläche, ist das Flusswasser genau wie der Regen der Lufttemperatur mit seinen Temperaturschwankungen und der Sonnenstrahlung ausgesetzt. Man kann also sagen, der Wärmeaustausch zwischen dem Fluß und seiner Umgebung hat hier den größten Einfluß. Doch auch hier kann Grundwasser aus den Nebenflüssen oder dem Boden die kurzfristigen Schwankungen dämpfen. Außerdem bewegt sich das Wasser in Richtung Meer und mit dieser Bewegung transportiert es auch die Wärmeenergie in andere Regionen.
Es ist die Strahlung, die die Wassertemperatur eines Fließgewässers maßgeblich bestimmt. Sie beeinflußt auch die Lufttemperatur. Deshalb stehen beide in einem Zusammenhang.
Ein wesentlicher Bestandteil thermischer Kraftwerke (Wärmekraftwerke) ist der Wasserkreislauf. An der Wärmequelle setzen sie Energie in Form von Wärme frei, indem sie Kohle, Öl oder Gas verbrennen oder Atomkerne spalten oder verschmelzen (Kohle-, Öl-, Gas- oder Atomkraftwerke). Mit dieser Wärmeenergie erhitzen sie Wasser, das zu Wassergas (Dampf) wird. Sie leiten den Dampf durch Rohre zu Turbinen, die mit Hilfe von Generatoren Strom erzeugen. Nach der Stromerzeugung muss er wieder abkühlen, um zu flüssigem Wasser zu kondensieren. Nun verliert der Dampf in der Turbine zwar einen Teil seiner Energie, aber nicht genug, um flüssig zu werden. Da Energie nicht vernichtet werden kann, muss sie weitergereicht werden. Das Kraftwerk kann sie über Kühltürme an die Luft abgeben, über Wärmetauscher an das Wasser eines Fernwärmenetzes oder an das Wasser von Flüssen. Wärme fließt vom wärmeren zum kälteren Medium und zwar so lange, bis sich beide Temperaturen angeglichen haben. Es muss also ein Temperaturunterschied vorhanden sein. Die Wärme ist damit vom Kühlwasser des Kraftwerks auf das Wasser des Flusses übergegangen. Das führt laut WWF lokal zu einer spürbaren Erwärmung des Fließgewässers. Durch die im vorigen Abschnitt beschriebenen Wärmeströme gibt das Flusswasser die Wärme an die Luft weiter, die sie nachts in den Weltraum abstrahlt, wo sie sich verteilt. Ein Teil dieser langwelligen Abstrahlung wird von Treibhausgasen zurückgehalten. Wie weit das Wasser fließt, bevor es seine Wärme an die Atmosphäre abgibt und wie stark es sich erwärmt, das hängt von mehreren Faktoren ab:
Beispielsweise kann der Einsatz von Kühltürmen die Wärmemenge reduzieren, die in den Fluss eingeleitet wird.
Die 2009 vorgestellte WWF-Studie kommt zum Ergebnis, dass die mittlere Fließgewässertemperaturen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts durchschnittlich um etwa 1,5°C ansteigen könnte. Durch diesen Temperaturanstieg würde die Nutzung von Kühlwasser in thermischen Kraftwerke zunehmend Probleme erfahren. Das könnte direkt die Sicherheit der Stromerzeugung beeinflussen, so der WWF. Bereits in der heutigen Zeit werden die zulässigen Grenzwerte erreicht, welche die Einleitung und erwärmtem Kühlwasser einschränken oder untersagen. Das war zum Beispiel in den Sommern 2003, 2006 und 2007 an unterschiedlichen Flüssen und Kraftwerksstandorten der Fall. „Häufige kritisch hohe Fließgewässertemperaturen können deutliche Einbußen bei der Stromproduktion zur Folge haben. Im Extremfall ist gar die Versorgungssicherheit mit Strom gefährdet“, warnt WWF-Referent Georg Rast.
Wassereinleitungen von Kläranlagen können die tages- und jahreszeitlichen Schwankungen der Wassertemperatur meist merklich dämpfen. Die hohen sommerlichen Wassertemperaturen können sie auch abkühlen.
Solche künstlichen oder natürlichen Stillgewässer weisen in gemäßigten Breiten eine thermische Schichtung auf. Dabei wird das oberflächennahe Wasser stärker von der Umgebung beeinflusst als das in der Tiefe. Daher ist das Wasser in der Tiefe im Winter wärmer und im Sommer kälter als unbeeinflusstes Wasser. Leitet die Talsperre das Tiefenwasser in den unteren Teil des Flusses, sorgt sie dort nicht nur für eine Verringerung des Sauerstoffgehaltes, sondern auch für eine Erwärmung im Winter und eine Abkühlung im Sommer.
Die Wärmekapazität bestimmt die Wärme, die ein Fluss aufnehmen kann. Sie wird berechnet aus der Masse des Wassers multipliziert mit seiner spezifischen Wärmekapazität. Die spezifische Wärmekapazität ist eine Eigenschaft des Wassers, bestimmt seine Aufnahmefähigkeit und ändert sich nicht. Daher wächst die Wärmekapazität mit der Masse des verfügbaren Wassers. Wie aber berechnet man die Masse? Aus der Dichte des Wassers, multipliziert mit einer Fläche (dem Querschnitt des Flusses) und einer Länge. Bei der Länge handelt es sich um den Weg, den ein Tropfen des Flußwassers innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt. Dieser Weg ist umso größer, desto größer die Fließgeschwindigkeit des Flusses ist. Fasst man diesen Abschnitt zusammen, kann man sagen:
Die Masse wird auch Abflussmenge genannt.
Fällt Sonnenstrahlung mit der gleichen Wärmeenergie auf eine große Masse (hohe Wärmekapazität, schnelle Fließgeschwindigkeit) und auf eine kleine Masse (geringe Wärmekapazität, langsame Fließgeschwindigkeit), erreicht die kleine Masse schneller die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit als die große. Daher wird die kleine Masse bzw. langsame Flüsse stärker von der Sonnenstrahlung beeinflusst als die große bzw. schneller fließende Flüsse. Mit anderen Worten: Im Sommer herrschen in langsamen Flüssen höhere Wassertemperaturen als in schnellen..
Durch menschliche Einflüsse kann sich die Abflussmenge (Masse) ändern. Dabei wird Wasser abgezweigt. Zum Beispiel kann ein Teil zur Bewässerung von Feldern verwendet werden oder Ausleitungsstrecken zu Wasserkraftwerken führen. Das Aufstauen von Flüssen kann zu einer Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit und damit zu einer Erwärmung führen.
Steigt die Durchschnittstemperatur der Erde, können sich wichtige Einflüsse auf die Wassertemperaturen ändern. Von Bedeutung sind die kurz- und langwellige Strahlung, aber auch die Lufttemperaturen. Durch einen zunehmenden Einfluß des Treibhauseffekts erhöht sich die langwellige atmosphärische Gegenstrahlung. Damit steigt auch die Luft- und Wassertemperatur.
Des Word Wide Fund of Nature (WWF) veröffentlichte am 19.3.2009 die Studie. In ihr heißt es, dass die Messreihen für Wassertemperaturen wesentlich kürzer seien als die für die Lufttemperaturen. Außerdem verwendeten die Reihen unterschiedliche Methoden zur Trendanalyse. Dennoch zeigte ein Vergleich, dass es einen Trend zueiner Zunahme der mittleren oder der extremen Wassertemperaturen gebe. Die Studie kommt durch den Vergleich der ihr vorliegenden Untersuchungen zum Schluß, dass die Wassertemperatur der mitteleuropäischen Flüsse im Laufe des 20. Jahrhunderts bereits um etwa 1 Grad Celsius gestiegen sei. Sie belegt dies durch eine Tabelle mit den Ergebnissen der einzelnen Meßreihen. Weiter kommt sie zum Schluß, dass
Eine am 19.3.2009 veröffentlichte Studie der Organisation zeigte, dass die mittleren Fließgewässertemperaturen bis Mitte des 21. Jahrhunderts im Durchschnitt um etwa 1,5 Grad Celsius steigen werden.
In den Flüssen lebt eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Sie haben sich bestimmten Umweltbedingungen angepaßt. Nur in ihnen können sie überleben. Erhöhen sich die Gewässertemperaturen, könnten nicht heimische Arten aus den wärmeren Gewässern des Südens vordringen. Unter den bisherigen Bedingungen des mitteleuropäischen Winter könnten sie nicht widerstehen. Dazu Georg Rast, Referent des WWF: „Wir empfinden die Kaltphasen in diesem Jahr (2009) als besonders hart. Dabei war es vor gar nicht allzu langer Zeit eher ein Regelfall, dass Flüsse und Seen zugefroren waren.“ (WWF, 2009)
Mit steigenden Temperaturen werden auch Epidemien und Seuchen im Tierreich wahrscheinlicher, so der WWF. So seien die niedrigen Abflüsse und zugleich hohen Wassertemperaturen im heißen Sommer 2003 offenbar die wesentliche Ursache für das im Rhein beobachtete Aalsterben. Auch klassische Kaltwasserbewohner wie die als Speisefisch beliebte Forelle kann nicht unbegrenzt in höher gelegene, kühlere Gewässerabschnitte ausweichen. Ihr Lebensraum schrumpft zunehmend.
Der WWF-Referent Georg Rast schätzte im Juli 2010 die Folgen für Flora und Fauna als gravierend ein. So würden beispielsweise Seuchen und Epidemien im Tierreich wahrscheinlicher. Im heißen Sommer 2003 waren offenbar niedrige Abflüsse und zeitgleiche hohe Wassertemperaturen die Ursache für ein massenhaftes Aalsterben, das im Rhein beobachtet wurde. Für Klassische Kaltwasserbewohner wie die Forelle wird der Lebensraum zunehmend kleiner. Eine Lösung wären höher liegende und damit kühlere Gewässerabschnitte. Doch in diese können sie nivcht unbegrenzt ausweichen. Der Anstieg der winterlichen Minimaltemperaturen könnte auch dafür sorgen, dass sich Pflanzen und Tiere aus anderen Teilen der Erde hier ansiedeln könnten. Man nennt sie invasive Arten. Bisher konnten sie die harten Bedingungen der mitteleuropäischen Winter nicht überstehen. Durch die höheren Temperaturen, auch in den Flissgewässern, könnte sich das ändern.(WWF, 2010)
Nach Angaben des WWF wurden die zulässigen Grenzwerte, die ein Einleiten von erwärmtem Kühlwasser aus thermischen Kraftwerken einschränken bzw. untersagen, bereits in den Sommern 2003, 2006 und 2007 an unterschiedlichen Flüssen und Kraftwerksstandorten erreicht. „Häufigere kritisch hohe Fließgewässertemperaturen können deutliche Einbußen bei der Stromproduktion zur Folge haben. Im Extremfall ist gar die Versorgungssicherheit mit Strom gefährdet.“, warnt der WWF-Referent Georg Rast.
Der WWF sieht die Gefahr, dass die Flüsse durch erhöhte Lufttemperaturen, veränderte Schneeschmelze und die übermäßige Zufuhr von Warmwasser aus den thermischen Kraftwerken kollabieren könnten. Als Schutzmaßnahme fordert die Umweltschutzorganisation ein koordiniertes und ambitioniertes Flussmanagement, das sich an der Natürlichkeit von Gewässern orientiert. „Reich strukturierte, flache und frei fließende Gewässer mit Schatten spendenden Ufergehölzen können die zu erwartenden Auswirkungen noch am besten verkraften.“, erklärte Georg Rast. Daher seien verstärkte Anstrengungen zur Gewässerrenaturierung erforderlich.
„Erhöhte Lufttemperaturen, veränderte Schneeschmelze und die übermäßige Zufuhr von Warmwasser aus den Durchlaufkühlungen thermischer Kraftwerke – all diese Faktoren können unsere Flüsse zum kollabieren bringen“, warnt WWF-Experte Rast. „Die Flüsse sind wichtige Lebensadern und von enormer Bedeutung für Stromproduktion, Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung oder auch Tourismus.“ Die Umweltstiftung WWF fordert ein koordiniertes und ambitioniertes Flussmanagement, um die Flüsse vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Es soll sich an der Natürlichkeit der Gewässer orientieren. „Reich strukturierte, flache und frei fließende Gewässer mit Schatten spendenden Ufergehölzen können die zu erwartenden Auswirkungen noch am besten verkraften“, sagt Georg Rast. Sei sei notwendig, sich verstärkt um Gewässerrenaturierung zu bemühen.
WWF, 2009: WWF-Studie: Deutschlands Flüsse werden immer wärmer, Pressemitteilung, WWF, 12.3.2009
WWF, 2010: Roland Gramling, Kühlwassermangel bei Kraftwerken, Pressemitteilung, WWF, 14.7.2010
Quellen:
{1} WWF-Studie: Deutschlands Flüsse werden immer wärmer, Pressemitteilung, WWF, 12.3.2009
Autor: Jörg Wieprzeck
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14.07.2010: Artikel angelegt
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