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Magazin für Umwelt- und Tierschutz
1 Einleitung
1.1 Das Problem
1.2 Ist Landwirtschaft Teil des natürlichen Kreislaufs?
1.3 Quelle Viehhaltung
2 Die Studien im Detail
2.1 Anteil der Viehhaltung nach der FAO Studie von 2006
2.2 Korrekturen des World Watch Instituts 2009
2.2.1 Gesamte anthropogene Treibhausgase
2.2.2 Atmung
2.2.2.1 Ein Kreislauf
2.2.2.2 Argument: Die Zahl der Tiere nimmt zu
2.2.2.3 Argument: Die Tiere sind keine Kohlenstoffsenke
2.2.2.4 Argument: Viehhaltung ist eine menschliche Erfindung
2.2.2.5 Argument: Viele Menschen nutzen keine Tierprodukte
2.2.2.6 Quellen
2.2.3 Änderungen der Landnutzung
2.2.3.1 Wald speichert mehr Kohlendioxid als Vieh auf Weiden
2.2.3.2 Vorschlag der WWI-Autoren
2.2.4 Methan
2.2.5 Veraltete und fehlende Daten in der FAO-Studie
2.2.6 Neue Werte
Quellen
Aktualisierungen
Treibhauseffekt. Eine Ursache von Veränderungen des Klimas der Erde sind Spurengase wie Kohlendioxid, Methan, Distickstoffmonoxid (Lachgas) und Flourchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Die Erde erhält beständig Wärme von der Sonne, die sie ebenso beständig wieder abstrahlen muss, soll die Temperatur einigermaßen konstant bleiben. Schon seit langer Zeit behindern die Spurengase die Abstrahlung und halten die Atmosphäre auf Temperaturen, unter denen Leben möglich ist. Da die Glasscheiben eines Treibhauses nach einem ähnlichem Prinzip arbeiten, spricht man vom Treibhauseffekt und bezeichnet die Gase auch als Treibhausgase.
Kohlenstoffkreislauf. In der Diskussion um die Treibhausgase des Energiesektors wird zwischen fossilen und regenerativen Energiequellen unterschieden. Die regenerativen stammen entweder direkt von der Sonne oder sind Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. In diesem Stoffkreislauf befindet sich eine bestimmte Menge Kohlenstoff in unterschiedlicher Form, als Kalziumkarbonat, Kohlensäure oder Kohlendioxid. Kohlenstoff aus Kohlebergwerken oder Erdöllagerstätten war lange Zeit nicht Teil dieser Zirkulation und wird fossil genannt. Durch Verbrennung schleust ihn die Menschheit nun zusätzlich in den Kreislauf ein und erhöht damit auch die Menge der Treibhausgase.
Zusätzliche Treibhausgase. Erhöht sich ihre Konzentration in der Atmosphäre, steigen auch die Durchschnittstemperaturen. Das Problem sind also nicht die bereits vorhandenen Gase, sondern diejenigen, die neu freigesetzt werden. Hier gibt es zwei Ursachen:
Warum erhöht die Nahrungskette nicht die Menge der Treibhausgase? Gras entzieht der Atmosphäre Kohlendioxid und stellt aus dem Kohlenstoff und anderen Elementen Kohlenwasserstoffe her. Diese Kohlenwasserstoffe werden über die Nahrungskette beim Fressen und Gefressenwerden weitergereicht. Zum Schluß zerlegen Destruenten wie Pilze oder Bakterien die Kohlenwasserstoffe wieder in ihre Bestandteile und stellen sie den Pflanzen als Rohstoff wieder zur Verfügung. Sowohl in der Nahrungskette (Atmung) als auch bei der Zerlegung wird der Kohlenstoff als Kohlendioxid wieder frei. Damit ist der Kreislauf geschlossen. Es wird das Gas, das die Pflanzen der Atmosphäre entnommen haben, wieder an die Atmosphäre zurückgegeben. Der Anteil des Kohlendioxids erhöht sich dabei nicht. Im Gegenteil: Pflanzen, Wildtiere und auch Nutztiere binden den Kohlenstoff in ihrem Gewebe. Damit sind Tiere wie die Pflanzen (Gras, Bäume) CO2-Senken. Entnimmt man dem Kohlendioxid (CO2) den Kohlenstoff (C), bleibt Sauerstoff (O2) übrig.
Beispiele. Holzpellets sind deshalb umweltfreundlicher als Öl, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen stammen und damit nicht fossil sind. Auch Gras wächst nach, ist seit langem Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs und eindeutig nicht fossil. Werden Futtermittel angebaut, entnehmen sie beim Wachstum Kohlendioxid aus der Luft und setzen sie nach dem Verzehr wieder frei. Wenn man mit diesem Argument die Viehhaltung kristisiert, müsste man die gesamte freilebende Tierwelt auf den Prüfstand stellen.
Unterschied zwischen natürlichen Nahrungsketten und der Landwirtschaft. Die Bundesregierung sieht die Viehhaltung laut Foodwatch-Report als Teil der natürlichen Kreisläufe. Foodwatch dagegen ist der Ansicht, dass die Treibhausgase durch menschliche Aktivitäten und Verfahren entstehen und daher nicht natürlich, sondern anthropogen sind.
Vergleicht man die Nahrungsbeschaffung in der Natur (Jagd der Tiere) mit der menschlichen, sieht man einige Unterschiede:
Dabei fällt auf, dass es sich eigentlich um natürliche Vorgänge handelt. Auch ein Löwe schlachtet, verarbeitet und transportiert sein Opfer, wenn auch mit einfacheren Mitteln, nämlich seinem Gebiß und den Muskeln. Auch Düngung gibt es in der Natur, wenn auch mit anderen Mitteln. Wie bereits oben beschrieben, stoßen auch andere Wiederkäuer in freier Natur Methan aus. Ob sich nun ein Löwe oder ein Mensch von ihnen ernährt, spielt dabei keine Rolle.
Mechanisierung. Die Unterschiede liegen in der Produktions- und Wirtschaftsweise der Menschheit. Es ist gerade die Industrialisierung, die erhebliche Folgeschäden hervorruft. Verkehr und Energie sind Folgen einer Mechanisierung der Landwirtschaft. Sie nutzen vorwiegend fossile Energiequellen und bringen damit zusätzlichen Kohlenstoff in den Kreislauf. Durch die Entwaldung dagegen geht ein Speicher verloren, der Kohlenstoff aus dem natürlichen Kreislauf aufnimmt. Mit der Industriellen Revolution begann auch der Klimawandel. Bei einer Ernte mit der Sense beispielsweise würde der Energiebedarf für Landmaschinen entfallen. Transporte mit Lastwagen wären weitgehend unnötig, wenn das Fleisch aus der Region käme und dort auch verarbeitet würde. Sicher, eine Rückkehr zur Sense wäre für Landwirte bei den heutigen Mengen, Löhnen und Verkaufspreisen eine Utopie, ganz zu schweigen von der Mühe. Deshalb ist sie hier auch keine Zukunftsvision. Aber sie soll das Prinzip deutlich machen.
Traktoren. Wo die Energie bleibt, zeigt das Beispiel Traktoren. Zunächst arbeiteten die Landwirte wie seit Jahrhunderten mit Ochsen, später mit Pferden. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten erste zaghafte Versuche, mit Hilfe von Dampfmaschinen einen Pflug über den Acker zu ziehen. Dann kamen dampfgetriebene Traktoren auf und schließlich auch solche mit Benzinmotoren. Die Mannheimer Firma Lanz stellte 1921 den ersten davon mit einem 12 PS Motor vor. Doch erst nach dem 2. Weltkrieg, in den 1950er und 1960er Jahren, begannen sie sich wirklich durchzusetzen. Von 1954 bis 2008 erhöhte sich die durchschnittliche Motorleistung der Traktoren von 16 auf 126 PS. Heute (Novemver 2009) stellt die deutsche Firma Fendt Fahrzeuge mit 70 bis 360 PS Leistung her. Die Maschinen von US-Herstellern liegen noch weit darüber. Gerade solche Geräte sind es, die fossile Brennstoffe verbrauchen und zusätzlichen Kohlenstoff in den Kreislauf einschleusen. Es sind aber auch die Maschinen der Fabriken und die Lastkraftwagen, die Tiere und Fleisch über weite Strecken transportieren. Wenn die Transporte auch kürzer ausfallen können, sind es die Maschinen, die eine Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit ihrem gewaltigen Nahrungsbedarf erst möglich machen.
Gegen diese Tierhaltung und den Fleischkonsum bringen Tierrechtler seit Jahren eine große Zahl von Argumenten vor. Das aktuelle Thema Klimawandel ist nur eines unter vielen. Als Beleg für die Thesen dienen in der Regel zwei Studien, die alle Treibhausgasemissionen auflisten, die irgendwie mit der Viehhaltung in Zusammenhang stehen.
Eine neuere Studie des Goddard Instituts für atmosphärische Studien (GISS) der US-Behörde NASA von 2010 berücksichtigt neben den Treibhausgasen auch die Aerosole und deren Wechselwirkungen mit anderen Gasen und der Wolkenbildung. Außerdem erfasst sie nicht nur die Viehhaltung, sondern auch andere Bereiche. Die Viehhaltungs-Studien sammeln alle Emissionen, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Viehhaltung stehen, auch Energie und Verkehr. In dieser Studie aber gibt es einen eigenen Bereich Energie und dort muss das Problem auch gelöst werden. Es gibt keine Überschneidungen mit anderen Branchen. Aerosole verweilen zwar nur Tage bis Wochen in der Atmosphäre, während die Treibhausgase Jahre bis Jahrhunderte dort bleiben. Das mag man kritisieren. Doch die Studie zeigt eine wirklichkeitsnahe Momentaufnahme des aktuellen Zustandes. Berücksichtigt man nur die wärmenden Effekte dieser Studie, hat die Viehhaltung einen Anteil von ungefähr 8,3 Prozent.
Dieser Artikel beschreibt, wie sich die Emissionen zusammensetzen, wie man sie reduzieren kann und in welchen Punkten sich die Studien unterscheiden.
Die Studie macht detaillierte Mengenangaben, wobei sie zwischen extensiver und intensiver Haltung unterscheidet. Dabei berücksichtigt sie die Wiederkäuer Rinder, Büffel, Schafe, Ziegen und die Nichtwiederkäuer Kamele, Pferde, Schweine und Geflügel.
Tabelle: Anteil der Viehhaltung an den gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen
auf Basis der detaillierten Mengenangaben aus der FAO-Studie (2006) Teil 3, Seite 113, Tabelle 3.12.
| Treibhausgas | Emissionen in Prozent: Extensive Haltung |
Emissionen in Millionen Tonnen CO2 Äquivalenten pro Jahr Mt / a |
Emissionen in Prozent: Intensive Haltung |
|||
|---|---|---|---|---|---|---|
| extensive Haltung | intensive Haltung | |||||
| Kohlendioxid (CO2) | ||||||
| Produktion von Stickstoffdünger | 40 | |||||
| Landwirtschaftliche fossile Brennstoffe Futter | ˜ 60 | |||||
| Landwirtschaftliche fossile Brennstoffe Vieh | ˜ 30 | |||||
| Entwaldung * | ˜ 1700 | ˜ 700 | ||||
| Äcker: Ackerbau * | ˜ 20 | |||||
| Äcker: Kalkung * | ˜ 10 | |||||
| Wüstenbildung auf Weideland * | ˜ 100 | |||||
| Verarbeitung | 10 - 50 | |||||
| Transport | ˜ 1 | |||||
| Summe | 25,46 |
˜ 1800 | ˜ 871 - 911 | 12,88 | ||
38,34 |
2671 - 2711 | 38,34 | ||||
| Methan | ||||||
| Verdauung ** | 1600 | 200 | ||||
| Stallmist *** | 170 | 200 | ||||
| Summe | 25,03 |
1770 | 400 | 5,66 | ||
30,69 |
2170 | 30,69 |
||||
| Distickstoffmonoxid | ||||||
| Verwendung von Stickstoffdünger | 100 | |||||
| indirekte Emissionen aus dem Dünger | 100 | |||||
| Anbau von hülsenfruchtartigem Futter | 200 | |||||
| Handhabung von Stallmist | 240 | 90 | ||||
| Anwendung und Lagerung von Stallmist *** | 670 | 170 | ||||
| indirekte Emissionen aus Stallmist *** | 480 | 140 | ||||
| Summe | 19,65 |
1390 | 800 | 11,31 | ||
30,97 |
2190 | 30,97 | ||||
| Gesamtemissionen aus der Viehwirtschaft | ||||||
| Von Menschen verursachte Gesamtemissionen aus der Viehwirtschaft, Basis der Prozentangaben | 70,15 |
4960 | 2111 | 29,85 | ||
| 100 | 7071 7516 (WWI) |
100 | ||||
| Berechnung des Anteils | ||||||
| Von Menschen verursachte Gesamtemissionen aus allen Bereichen IPCC (FAO) | 49000 (40000) |
|||||
| Anteil der Viehwirtschaft an den von Menschen verursachten Gesamtemissionen. Berechnungsgrundlage sind der Weltklimabericht 2009 und die Zahlen aus der Studie der FAO. |
Wert IPCC von 2004 | 14,43 % | ||||
| Wert FAO | 17,67 % | |||||
Quellen: FAO Studie (2006), 4. Sachstandsbericht des IPCC (2007), eigene Berechnung
* Quellen, die Änderung der Landnutzung und Entwaldung beinhalten.
** Die Verdauung setzt im Methan enthaltenen Kohlenstoff frei, den das Gras zuvor aus dem Kohlendioxid der Atmosphäre entnommen hat. Mehr dazu ...
*** Diese Quellen ließen sich mit Biogasanlagen vermeiden, in denen Bakterien den Stallmist zersetzen und dabei Methan freisetzen. Das Methan verbrennt anschließend zu Kohlendioxid. Die Handhabung ließe sich dadurch nicht vermeiden. Mehr dazu ...
Für die Gesamtemissionen aus der Viehhaltung nennt die FAO-Studie 7100 Mt/a, eigene Berechnungen aus der Tabelle den genaueren Wert von 7071 Mt/a, während die WWI Studie von 7516 Mt/a ausgeht. Die WWI Studie ermittelt dagegen 32564 Mt/a oder 51 Prozent der Gesamtemissionen.
Zunächst einmal korrigiert sie die Höhe der weltweiten von Menschen verursachten Treibhausgase. Dabei berücksichtigen die Autoren zusätzlich Emissionen, die ihrer Meinung nach unterschätzt, übersehen oder den falschen Sektoren zugeteilt wurden.
| Beschreibung | Treibhausgase in Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr MT/a |
|---|---|
| FAO-Angabe | 41.755 |
| Falsch zugeordnet | 3000 |
| Nicht berücksichtigt | 22.048 |
| Neuer Wert | 63803 |
Damit sinkt die Prozentzahl aus der FAO-Studie zunächst einmal von 18 auf 11,8 Prozent. Danach korrigieren die Autoren die Angaben zu einzelnen Treibhausgasen.
Die FAO-Studie sagt dazu aus, dass Pflanzen Kohlendioxid aufnehmen und zu Biomasse (Kohlenwasserstoffe) verarbeiten. Die Tiere essen diese Biomasse und verarbeiten sie. Dabei entsteht aus den Kohlenwasserstoffen Abgas in Form von Kohlendioxid. Das Tier setzt dieses Abgas beispielsweise mit der Atmung wieder frei. Das können Pflanzen in der Photosythese erneut verarbeiten. Der Kreislauf (Kohlenstoffkreislauf) ist geschlossen. Da die aufgenommenen und ausgestoßenen Mengen Kohlendioxid gleich groß sind, ist die Atmung in der Viehhaltung keine Nettoquelle für Treibhausgase.
Doch dieses Gleichgewicht sei nie statisch, erklären die WWI-Forscher. Der Viehbestand wachse sei heute um Milliarden Tiere größer als zu vorindustriellen Zeiten, während die Aufnahmefähigkeit der Biosphäre für Kohlenstoff sinke. Gegenargument:
Die Autoren geben zu, dass ein Teil des Kohlenstoffs im Gewebe wachsender Tiere gespeichert wird und sie daher als Kohlenstoffsenke betrachtet werden können. Außerdem stieg auch die Zahl der Tiere. Das könne man als einen Kohlenstoffspeicherungsprozess betrachten, der eine Größenordnung von 1 bis 2 Mt Kohlenstoff pro Jahr habe. Doch eine Kohlenstoffsenke sei so definiert, dass Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernt werde und in eine Lagerstätte gelange, aus der es lange Zeit nicht entweichen könne. Dazu könnte man zwei Gegenargumente vorbringen:
Doch selbst wenn man Vieh als Senke betrachte, so die WWI Forscher, sei diese Menge gering gegenüber der in den Wäldern gespeicherten. Das ist richtig, aber ein anderes Thema. Doch eine Senke bleibt eine Senke, egal, welche Größe sie hat.
Außerdem sei die Viehhaltung eine menschliche Erfindung und kein Teil der Zeit davor. Das ausgeatmete Kohlendioxid sei ebenso wenig natürlich wie das aus den Abgasen der Autos.
Lebte kein Tier auf der Erde, würden Pflanzen ebenso Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen, durch Photosythese den Kohlenstoff ihr Zellgewebe aufbauen, irgendwann streben und den Kohlenstoff als Kohlendioxid wieder freisetzen. Ob er den Umweg durch den Magen eines Rindes nimmt, verlängert zwar den Weg, macht ihn aber nicht unnatürlicher. So leben alle Pflanzenfresser, auch Zebras und Gnus, die keinem Menschen gehören. Es hat auch keinen Einfluss, ob das Rind frei in einem Schutzgebiet lebt oder einem Menschen gehört. Die Biologie und damit der Stoffwechsel ist der gleiche. Die Atmung von frei lebenden Tieren, in menschlichem Besitz lebenden Tieren oder von Menschen gehört nicht in die Studie.
Menschliche Technologie bedient sich natürlicher Prozesse. Ob Holz bei einem natürlichen Waldbrand verbrennt, im Lagerfeuer, im Kamin oder in einem Biomasse-Kraftwerk, macht keinen Unterschied. Immer verbinden sich Kohlenstoff und Sauerstoff in einer chemischen Reaktion zu Kohlendioxid. Der Mensch ist eine Tierart. Mit dieser Verwandtschaft begründen manche Tierrechtler den Schutz ihrer Lieblinge. Er ist ein natürliches Wesen. Ob er ein Werkzeug verwendet oder ein Schimpanse, ist egal. Verwendet er zu dessen Antrieb aber eine fossile Energiequelle, setzt er zusätzlichen Kohlenstoff frei und nimmt das Einfluss auf das Klima.
In der Klimadebatte geht es um eine Erhöhung der Menge der Treibhausgase und nicht darum, wer sie freisetzt. Es ist egal, ob Erdgas durch Risse aus einer Lagerstätte (Senke) austritt und sich entzündet oder von Menschen gezielt gefördert und in Kraftwerken verbrannt wird. Immer erhöht sich der Kohlendioxidgehalt, weil der Kohlenstoff zuvor lange Zeit nicht am Kreislauf teilnahm. Wie so oft, ist die Unterscheidung zwischen „natürlich“ und „von Menschen verursacht“ etwas unglücklich gewählt. Nicht beeinflussbar und beeinflussbar wäre hier vielleicht angebrachter.
Wenn es legitim ist, Emissionen aus Fahrzeugen, die Millionen Menschen nicht fahren, zu den antropogenen Emissionen zu zählen, sei es ebenso legitim, die Atmung des Viehs zu berücksichtigen. Millionen von Menschen konsumieren wenige oder keine Produkte aus der Viehwirtschaft und die Atmung der Tiere ist nicht für das Überleben der Menschheit notwendig. Nimmt man aber die Atmung der Tiere aus der Bilanz heraus, ist absehbar, dass man sich nicht mit ihnen befasst und ihre Bestände zunehmen werden, was auch tatsächlich geschieht.
Da sie den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre nicht erhöht, muss man sich nicht mit ihr befassen. Auch laut Albert-Schweizer-Stiftung (2009) stößt die Atmung auf Kritik, weil sie nicht die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erhöht.
Die WWI-Studie nennt einen Anteil der Atmung an den gesamten von Menschen verursachten Treibhausgasen von 21 Prozent, eine Behauptung, die sie nicht ausreichend begründen kann. Dabei beruft sie sich auf den britischen Physiker Alan Calverd. Angaben zum Gewicht mache er nicht, aber es betrage 8,769 Millionen Tonnen. Seine Schätzung ist die einzige ihrer Art. Doch weil sie nur eine Variable beinhalten, wären alle Berechnungen von Kohlendioxid aus der Atmung eines gegebenen Gewichts von Vieh dieselben. Da die Autoren den Wert der gesamten von Menschen verursachten Treibhausgase erhöht hatten, sinkt der Anteil von 21 Prozent auf 13,7 Prozent.
Da die Fläche des verfügbaren Graslandes immer mehr abnimmt, wird immer mehr Wald vernichtet, um die Fläche wieder zu vergrößern. Das größte Wachstum der Märkte für Viehprodukte verzeichnen die Entwicklungsländer. Die dortigen Regenwälder speichern mehr als 200 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar, die durch Rodung freigesetzt werden. Dazu muss man weitere 200 Tonnen rechnen, die aus dem Boden freigesetzt werden. Ein Rind benötigt einen Hektar Weidefläche, um sich zu ernähren und dieses speichert nur den Bruchteil einer Tonne Kohlenstoff. Nach der Nutzung regeneriere sich der Wald oft. Der Fokus bei den Emissionsminderungen lag oft auf der Reduzierung der Emissionen, doch zuvor habe der Wald viel schneller und preiswerter Kohlendioxid gespeichert. Zwar zähle die FAO die Emissionen aus den Rodungen auf, nicht aber den Verlust der Speicherfähigkeit. Das sei aber sei durch die Nutzung von 33 Prozent der Landfläche als Weide und 26 Prozent des fruchtbaren Landes als Anbaufläche für Futter verlorengegangen, statt zu Wald zu werden. Diese Regeneration könnte die gesamten menschgemachten Emissionen um die Hälfte reduzieren. Das aber sei keine Priorität.
Die Autoren der WWI-Studie schreiben also, dass Weiden wegen der Tierhaltung nicht wiederaufgeforstet werden können. Das solle man als verpasste Chance sehen und als Treibhausgasquelle werten. Das kann die Albert-Schweizer Stiftung nicht nachvollziehen und fragt, ob man dann nicht auch andere verpasste Chancen einkalkulieren müsse. Darüber hinaus ist fraglich, ob die Flächen nach Aufgabe der Viehzucht tatsächlich aufgeforstet werden und nicht etwa Anbauflächen für Energiepflanzen werden.
Die Autoren der WWI-Studie schlagen vor, die für Weiden und Futteranbau genutzten Flächen für den Anbau von Agrokraftstoffen und Getreide zu verwenden. Das Getreide könnte Menschen direkt ohne den Umweg über das Fleisch ernähren. Die Agrokraftstoffe könnten die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs ersetzen, der zur Zeit für etwa 3340 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente oder 8 Prozent der Treibhausgase verantwortlich sei. Nimmt man den von den Autoren korrigierten weltweiten Treibhausgasausstoß als Grundlage, sinkt die Prozentzahl auf 5,6. Bei sorgfältiger Auswahl und Verarbeitung können Agrokraftstoffe 80 Prozent weniger Triebhausgase pro Energieeinheit freisetzen als Kohle. Die Folgerung daraus ist, dass die zusätzlichen Emissionen aus den Weiden und Futteranbau 2,672 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente oder 4,2 Prozent der jährlichen Treibhausgasemissionen betragen.
Laut FAO stammen 37 Prozent des weltweiten von Menschen verursachten Methanausstoßes aus der Viehhaltung. Dieses Gas ist zwar wesentlich klimawirksamer als Kohlendioxid, verweilt aber nur etwa 8 Jahre in der Atmosphäre, während Kohlendioxid mehr als 100 Jahre dort verbleibe. Daher würden sich abnehmende Viehbestände wesentlich schneller auf das Klima auswirken als die aus der Energieversorgung. Die Stärke, mit der sich ein Treibhausgas auf das Klima auswirkt, wird mit dem Treibhauspotenzial (global warming potential, GWP) beschrieben. Es ist abhängig von der Art des Gases und der Länge des Betrachtungszeitraums. Der Weltklimarat IPCC nennt für einen Zeithorizont von 100 Jahren einen Wert von 25, für 20 Jahre aber einen von 72. Weltweit akzeptiert ist der Wert von 25. Doch wegen des großen Effekts der Methanreduktionen innerhalb von 20 Jahren, aber auch wegen der großen Auswirkung auf das Klima bei einer Untätigkeit ist der Wert von 72 passender, so die Autoren. Auch das IPCC unterstütze diesen Zeithorizont und das GWP von 25. Die FAO verwendet noch ein GWP von 23. Das GWP ist der Faktor zur Umrechnung der Menge des Methans in Kohlendioxidäquivalente. Erhöht sich der Faktor von 23 auf 72, steigt die Menge der Kohlendioxidäquivalente aus Methan. Die Tabelle vergleicht die Ergebnisse:
| Organisation | GWP | Kohlendioxidäquivalente in Millionen Tonnen pro Jahr | Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen in Prozent |
|---|---|---|---|
| FAO | 23 | 2,369 | 3,7 |
| IPCC | 25 | 5,047 | 7,9 |
| WWI | 72 | 7,416 | 11,6 |
Quelle: Studie „Livestock and Climate Change“, World Watch Institute, 2009
Dazu äußerte sich die Albert Schweizer Stiftung für unsere Mitwelt in einem Artikel. Dort heißt es, der Vorschlag wird zum Teil auch von anerkannten Wissenschaftlern unterstützt. Doch es gibt nicht den richtigen Faktor, um das Methan stärker zu gewichten. Wenn aber die kurzfristige Senkung der Treibhausgase entscheidend ist, so die Stiftung, spricht das für eine stärkere Gewichtung. Doch die FAO hat sich bewusst dagegen entschieden. (Albert-Schweizer-Stiftung, 2009)
Die Autoren der WWI-Studie bemängeln außerdem, dass die FAO mit veralteten Daten aus dem Jahr 2002 gearbeitet haben. Inzwischen habe sie sich um 12 Prozent erhöht. Teilweise reichen sie bis ins Jahr 1964 zurück und sind heute deutlich höher. Die Albert-Schweizer Stiftung hält dagegen, dass auch andere Branchen gewachsen seien und ihren Treibhausgasausstoß erhöht habe. Richtig sei zwar, dass man veraltete Daten nicht verwenden solle. Doch die FAO habe sicher Anpassungen vorgenommen.
Die Kritik des WWI, dass die FAO die Anzahl der geschlachteten Tiere teils deutlich unterschätzt habe, hält die Albert-Schweizer-Stiftung dagegen für gerechtfertigt.
Weiter kritisiert das WWI, dass die FAO einige Daten nicht einbezogen hat, wie die Treibhausgasemissionen:
nicht ausreichend habe man die Treibhausgasemissionen
berücksichtigt.
Diese Tabelle zeigt die Größenordnung der Emissionen aus den Korrekturen der WWI-Studie und addiert sie zu den Angaben der FAO-Studie. Die Spalten unter WWI übernehmen die Angaben der WWI-Studie und kommen so auf die bekannte und oft genannte Zahl von 51 Prozent. Die Spalten unter Plausibel lassen die nicht ausreichend begründeten Korrekturen unberücksichtigt und ergeben einen Wert von 25 Prozent.
| Position | WWI | Plausibel | ||
|---|---|---|---|---|
| Mt/a | % | Mt/a | % | |
| FAO Angabe | 7.516 |
11,8 |
7.516 |
11,8 |
| Nicht erfasste aktuelle Treibhausgasbestände | ||||
| Übersehene Atmung | 8.769 |
13,7 |
– |
– |
| Übersehene Landnutzung | > 2.672 |
> 4,2 |
– |
– |
| Unterschätztes Methan | 5.047 |
7,9 |
– |
– |
| Vier Kategorien | > 5.560 |
> 8,7 |
> 5.560 |
> 8,7 |
| Falsch zugeordnete aktuelle Treibhausgasbestände | ||||
| Drei Kategorien | > 3.000 |
> 4,7 |
> 3.000 |
> 4,7 |
| Summe | > 32.546 |
> 51 |
> 16076 |
> 25 |
Quelle: Studie „Livestock and Climate Change“, World Watch Institute, 2009
Mt/a = Megatonnen (Millionen Tonnen) pro Jahr
% = Prozent
ART, 2009: Atlant Bieri, Im Kotelett steckt CO2, Medienmitteilung, ART, 15.9.2009, www.art.admin.ch
Albert-Schweizer-Stiftung, 2009: Wie klimaschädlich ist Fleischkonsum wirklich?, Artikel, Albert-Schweizer-Stiftung für unsere Mitwelt, 22.10.2009, http://albert-schweizer-stiftung.de/aktuell/wie-klimaschaedlich-istfleischkonsum-wirklich
Climate Change 2007: Synthesis Report, IPCC, 2007 Datei ar4_syr.pdf
FAO, 2006: Livestock‘s Long Shadow, Studie, FAO, 2006
Foß, 2009: Jürgen Foß, Fleisch frisst die Welt, Faltblatt, Die Tierfreunde e.V., 2009
Gessler, 2009: Wolfgang Gessler, Monster auf dem Acker, in: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 11/2009, Seite 30-35
Greenpeace, 2009a: Verschnaufpause für Urwälder, Greenpeace Nachrichten 3/09, Hamburg, 2009, Seite 2
Greenpeace, 2009b: Wissenswertes vom Greenpeace Magazin, 09 Tropischer Regenwald, Infoblatt, Greenpeace Magazin, 1.2008
Haberger, 2009: Norbert Haberger, Zu viel Fleisch ist klimaschädlich, www.br-online.de, 31.7.2009
Keppler, 2007: Frank Keppler, Thomas Röckmann, Methan, Pflanzen und Klimawandel, in: Spektrum der Wissenschaft Mai 2007, Seite 69ff
Nandu, 2009: Kampf dem Klimawandel!, Infoblatt, Nandu, Berlin, 2009
Technical Summary der Arbeitsgruppe I des IPCC, 2007, Datei „AR4WG1_Print_TS.pdf“
Tierschutznews, 2009a: Zeit, den Hund zu essen?, Artikel, www.tierschutznews.ch, 27.10.2009 http://www.tierschutznews.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=1993&Itemid=59
Vebu, 2008: 12 Fragen & Antworten zum Thema Fleisch, Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU), Faltblatt, 2008
Veg Climate Alliance (2009a): SOS - Die Menschen an Planet Erde: „Was sollen wir tun?“, Infoblatt, Veg Climate Alliance, 2009
Veg Climate Alliance (2009b): Das Eis, das zu schnell schmilzt, Das Klima, das sich zu schnell ändert, Infoblatt, Veg Climate Alliance, 2009
Vier Pfoten, 2009: Ein Schnitzel weniger heißt... , Pressemitteilung, Website, Vier Pfoten, http://www.vier-pfoten.de/, November 2009
WWI, 2009: Robert Goodland und Jeff Anhang, „Livestock and Climate Change“, World Watch Institut (WWI), Oktober 2009
Autor: Jörg Wieprzeck
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12.08.2009: Artikel angelegt
17.08.2009: Änderungen in der Kapitelfolge und neue Argumente
19.11.2009: Neu sind die Gedanken zu Traktoren.
18.02.2010: Welchen Einfluß hat die Tierart auf die Klimaschädlichkeit von Fleisch?
17.03.2010: Der Artikel ist nun erweitert und enthält nur noch Angaben zu den Studien.
Veganismus und Klima Teil 1: Die Studien
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