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Magazin für Umwelt- und Tierschutz
1 Elektroschrott nach Afrika
2 Schadstoffe
3 Verlorene Rohstoffe
4 Was kann man tun?
5 Die Studie
6 Entwicklungsländer erzeugen mehr Elektroschrott als entwickelte Länder
Quelle
Aktualisierungen
Mehr als 155.000 Tonnen zum Teil gefährlichen Elektroschrotts werden jährlich aus Deutschland ins außereuropäische Ausland exportiert. Sogar defekte Geräte werden teilweise als „noch funktionstüchtig“ umdeklariert und meist nach Asien und Afrika verschifft. Eine umweltgerechte Entsorgung findet dort nur selten statt. Dies ergab eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA), die am 4.3.2010 auf der CeBIT in Hannover vorgestellt wurde.
In der Studie haben Fachleute des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik GmbH (Ökopol) über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren die bisher solidesten Informationen zur Herkunft und Menge exportierter Geräte zusammengetragen. Dazu gehören auch die Herkunft des Abfalls. Die Geräte stammen unter anderem von Flohmärkten, aus dem Second-Hand-Handel oder werden vom Sperrmüll geholt. Sie werden zu Sammelplätzen transportiert und meistens auf dem Seeweg nach Afrika gebracht. Die alten Elektrogeräte enthalten neben gesundheitlich unbedenklichen metallischen Rohstoffen auch eine ganze Reihe von Gefahrstoffen. Sie müssen geordnet verwertet werden, wenn man nicht die menschliche Gesundheit und die Umwelt belasten will.
Zu diesem Schrott gehören und 50.000 Tonnen PC- und Fernsehmonitore. Sie können neben Metallen auch flammhemmende Bromverbindungen wie gefährliche polybromierte Diphenylether (PentaBDE) enthalten. Ein alter Computer enthält über 100 verschiedene Stoffe. In herkömmlichen Bildschirmgeräten befinden sich außerdem Leuchtmittel, die sachgemäß zu entsorgen sind.
Doch die Schadstoffe sind nicht das einzige Problem. „Mit den alten Elektrogeräten verlassen nicht nur viele Gefahrstoffe das Land, auch kostbare Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Platin oder Indium gehen damit für den Rohstoffkreislauf bei uns verloren“, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. „So lange ein umweltgerechtes Recycling nur in Europa oder ähnlichen Regionen vertretbar und technisch zufriedenstellend möglich ist, sollten die entsprechenden Geräteteile oder Geräte dort verwertet werden. Kostbare Rohstoffe vernünftig zu recyceln, ist bei steigenden Weltmarktpreisen – gerade für viele Metalle – auch ein ökonomisches Gebot der Vernunft“, so Flasbarth weiter.
Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen sieht drei Ansatzpunkte: Umweltverträgliche Gestaltung der Geräte, Kontrollen der Exporte und Verbesserung des Recyclings in Afrika.
Die Studie „Optimierung der Steuerung und Kontrolle grenzüberschreitender Stoffströme bei Elektroaltgeräten/Elektroschrott“ kann man kostenlos unter www.umweltbundesamt.de herunterladen. Ein Hintergrundpapier steht unter www.bmu.de zur Verfügung.
Entwicklungsländer werden innerhalb der nächsten sechs bis acht Jahre mindestens doppelt so viel Elektroschrott produzieren als entwickelte Länder. Das ist das Ergebnis einer im April 210 im zweiwöchentlich erscheinenden Magazin Environmental Science & Technology veröffentlichten Studie. Die Wissenschaftler verwendeten ein Computermodell, um den globalen Anfall verschrotteter PC's vorherzusagen. 2030 werden danach die Entwicklungsländer 400 bis 700 Millionen veraltete Personal Computer entsorgen, entwickelte Länder aber nur 200 bis 300 Millionen. Ursachen sind sowohl der zunehmende Gebrauch elektronischer Geräte als auch die sinkende Lebenserwartung der Geräte durch den technischen Fortschritt. Der Trend setzt sich fort und wird sogar eskalieren. So macht man sich weltweit Gedanken um die Entsorgung, schließlich enthält der Schrott potenziell toxische (giftige) Substanzen. Die zentrale Aussage der Studie ist nach Aussage ihrer Autoren die Entdeckung der neuen Struktur des Elektroschrotts, kombiniert mit ökonomischen und sozialen Betrachtungen. Sie ruft zu einem Überdenken dieser der Elektroschrottpolitik auf.
Originalarbeit: Jinglei Yu, Eric Williams, Meiting Ju, Yan Yang, Forecasting Global Generation of Obsolete Personal Computers, Environmental Science & Technology, April 2010 (Woods, 2010)
UBA, 2010: Dr. Christiane Schwarte, Export alter Elektrogeräte: Viel Gold, aber auch viel Gift, Pressemitteilung, Bundesumweltministerium, 4.3.2010
Woods, 2010: Michael Woods, Developing world will produce double the e-waste of developed countries by 2016, Press PacAmerican Chemical Society (ACS), www.acs.org, 28.4.2010
Autor: Jörg Wieprzeck
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08.03.2010: Artikel angelegt
30.04.2010: Entwicklungsländer erzeugen mehr Elektroschott als entwickelte Länder.
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