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Magazin für Umwelt- und Tierschutz


 Treibhausgas-Reduktionen und das Zwei-Grad-Ziel

Inhalt

1 Die Zwei-Grad-Schwelle
    1.1 Einleitung
    1.2 Wann ist die Schwelle erreicht?
2 Was kann dagegen unternommen werden?
    2.1 Drei Wege
    2.2 Welche Vorteile bieten die Maßnahmen noch?
    2.3 Unsicherheiten
    2.4 Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung
3 Angebote der Vertragsstaaten
    3.1 Die Kopenhagen-Vereinbarung
        3.1.1 Bleiben die Angebote unter dem Zwei-Grad-Ziel?
        3.1.2 Anwendung nur im Rahmen eines Abkommens
        3.1.3 Überschüssige Zertifikate
        3.1.4 Beitrag Europas
            3.1.4.1 Green Week Juni 2010
            3.1.4.2 Antrag der Grünen zu einer Erhöhung des Ziels
Quellen
Aktualisierungen

1 Die Zwei-Grad-Schwelle

1.1 Einleitung

Die Staaten, die Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen sind, waren sich auf der Klimakonferenz in Kopenhagen darüber einig, dass der Temperaturanstieg durch die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius oder 3,6 Grad Fahrenheit beschränkt werden muss. An diesem Punkt könnte das Klima kippen und viele Wissenschaftler glauben, dass es dann negative Folgen für die Gesellschaft haben wird, die nur schwer zu handhaben sind. Zum Beispiel könne das Methan aus den Permafrostböden entweichen, was die globalen Durchschnittstemperaturen steigen ließe. Es könne aber auch großflächig Eis abschmelzen, was den Meeresspiegel ansteigen ließe. Zwar schrieb die so genannte Kopenhagen Vereinbarung der UN-Klimakonferenz von 2009 das Zwei-Grad-Ziel fest, nicht aber verbindliche Ziele für Treibhausgasreduktionen.

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1.2 Wann ist die Schwelle erreicht?

Dazu äußerten sich die Klimatologen Veerabhadran Ramanathan und Yangyang Xu der Scripps Institution of Oceanography der Universität von Kalifornien Mai 2010 in einer Studie. Nach ihrer Meinung sei die Schwelle bei einer Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre von 441 parts per million (ppm) erreicht, wenig höher als die heutigen 389 ppm. Daher müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 50 Prozent und bis 2100 um 80 Prozent gesenkt werden.

Die Zwei-Grad-Schwelle bedeutet einen Anstieg der Strahlungsenergie um 2,5 Watt pro Quadratmeter. Selbst wenn die Treibhausgas-Emissionen in den nächsten fünf Jahren nicht zunehmen, werde die Menschheit das Doppelte dieses Wertes ereeichen, so die Autoren. Das werde allerdings durch die kühlende Wirkung der gleichzeitig reichlich ausgestoßenen Aerosole überdeckt. Viele Substanzen absorbieren die Sonnenstrahlung und erwärmen sich dabei. Doch winzige Teilchen wie Sulfate reflektieren es statt es zu absorbieren. Die Autoren sagen, man sollte dies berücksichten, wenn man Spurengase aus der Luft entferne.

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2 Was kann dagegen unternommen werden?

2.1 Drei Wege

Ramanathan und Xu zeigten nun drei Wege auf, die zu diesem Ziel führen können. Dabei verwendeten sie eine Synthese von 20 Jahren Forschung der National Science Fuondation. „Ohne einen einheitlichen Ansatz, der die Senkung von CO2 Emissionen mit Senkungen bei anderen Treibhausgasen mit klimaneutraler Gesetzgebung kombiniert, sind wir sicher, die zwei-Grad-Schwelle zu überschreiten und noch während dieses Jahrhunderts die Vier-Grad-Schwelle zu erreichen.“, sagte Ramanathan. „Glücklicherweise ist noch Zeit, um diese Entwicklung abzuwenden. Aber wir müssen jetzt handeln.“

Zu den empfohlenen Schritten zählen

  • Die Stabilisierung der CO2 Konzentrationen in der Atmosphäre
  • Klimaneutrale Emissionsgesetze. Diese Gesetze sollten ein Gleichgewicht zwischen zwei gegensätzlich wirkenden Gruppen von Aerosolen: Den kühlende wirkenden (Sulfate) und den wärmend wirkenden (Ruß oder Ozon).
  • Zusätzlich empfehlen die Autoren, auch die kurzlebigen Spurengase wie Methan, Flourchlorkohlenwasserstoffe und ähnliche Substanzen zu reduzieren.

Die Wissenschaftler schreiben, dass eine aggressive, gleichzeitige Verfolgung all dieser Strategien die Wahrscheinlichkeit, dass die Zwei-Grad-Schwelle überschritten wird, vor dem Jahr 2050 um 10 Prozent senkt.

Sie geben zu, dass dazu eine ganze Palette von Maßnahmen erforderlich sei, im industriellen, landwirtschaftlichen und fortswirtschaftlichen Sektor. Teils müsse man auch neue Technologien entwickeln. Eine massive Befreiung des Energiesektors vom Kohlenstoff (Decarbonisation) sei erforderlich, um diese Herkules-Aufgabe zu bewältigen, erklärten die beiden Forscher. Doch bei den anderen Strategien könne man auf bereits existierende Technik und eine stärkere Durchsetzung vorhandener Beschränkungen zurückgreifen. Dazu gehören Sofortmaßnahmen wie der Ersatz von Biomasseöfen (Holzfeuerung) durch sauberere Alternativen oder die weltweite Nachrüstung von Dieselrußfiltern.

Schon früher entfernte die Menschheit erfolgreich ein schädliches Gas aus der Atmosphäre. 1987 regulierte das Montreal Protokoll die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Das hielt nicht nur den Abbau der Ozonschicht auf. Auch die Erwärmung der Atmosphäre hätte ohne Gegenmaßnahmen um einen Strahlungsantrieb von 0,6 bis 1,6 Watt pro Quadratmeter zugenommen.

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2.2 Welche Vorteile bieten die Maßnahmen noch?

Der Ansatz der tief hängenden Früchte als Antwort auf eine der größten Herausforderungen der Menschheit ist sehr ansprechend, weil es ein Win-Win-Ansatz ist“, erklärte Programmdirektor Jay Fein von der Division for Atmospheric and Geospace Science der NSF, die dise Forschungen unterstützte. „Es säubert die Umwelt, schützt die Gesundheit und hält das Klima unter der Zwei-Grad-Schwelle.“

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2.3 Unsicherheiten

Allerdings geben Ramanathan und Xu zu, dass es noch Unsicherheiten gibt. Einerseits ist die Natur der Aerosole noch nicht vollständig verstanden. Man weis auch nicht genau, wie die Natur auf auf die vorgeschlagenen Maßnahmen reagiert. Das macht eine präzise Vorhersage schwierig. Nach Meinung der Autoren könnten Versuche mehr Klarheit schaffen und die Wirkung der vorgschalgenen Maßnahmen bestätigen. Trend bei der Energie, die von den Ozeanen aufgenommen wurden, sollte sogar vor 2050 auf die Minderungsmaßnahmen reagieren, was sie zu einem Instrument macht, an dem sich der Erfolg der Anstrengungen messen lässt.

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2.4 Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung

Auch der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) warnt vor den Folgen einer Überschreitung des Zwei-Grad-Ziels. Zur Unterreichtung der Bundesregierung legte er nun ein Sondergutachten vor (Drucksache 17/2273). Damit will er der internationalen Klimapolitik einen langfristigen Orientierungsrahmen geben. Danach nehmen die Treibhausgas-Emissionen weltweit weiter zu. Doch diesen Anstieg müsse man aufhalten und bis spätestens 20020 zurückgehen lassen. Der Ausgangspunkt sei eine Berechnung der Gesamtmenge an Kohlendioxid, die bis 2050 ausgestoßen werden darf, ohne dass man die Zwei-Grad-Grenze überschreite.

Der beirat schlug vor, das Kohlendioxid-Budget gleichmäßig auf die Weltbevölkerung aufzuteilen. Daraus können sich dann alle Staaten nationale Budgets berechnen lassen. Ist dies getan, müsse jedes Land überprüfbare ”Dekarbonisierungsfahrpläne“ vorlegen. Da das Land über seine nationalen Budgets bis 2050 frei verfügen kann, sei eine flexible Planung möglich.

Technologietransfer zwischen Industrie und Entwicklungsländern könne man unter anderem über den internationalen Emissionshandel finanzieren. Aber auch klimafreundliche Innovationen, Investitionen und Institutionen sollten nach Vorstellung des WBGU national und international mehr gefördert werden. (hib, 2010a)

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3 Angebote der Vertragsstaaten

3.1 Die Kopenhagen-Vereinbarung

3.1.1 Bleiben die Angebote unter dem Zwei-Grad-Ziel?

In der Kopenhagen-Vereinbarung legten Vertragssaaten der Klimarahmenkonvention Selbstverpflichtungen fest, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Das Plenum der UN-Klimakonferenz im vergangenen Dezember in Kopenhagen hatte die Vereinbarung lediglich zur Kenntnis genommen. Doch diese Angebote werden die globale Erwärmung nicht auf zwei Grad begrenzen. Vielmehr werden sie die globalen Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 um mehr als drei Grad Celsius steigen lassen. Das berichtet ein Forscherteam um Joeri Rogelj und Malte Meinshausen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am 22.4.2010 im Fachmagazin „Nature“. Die Autoren zeigten sich erstaunt über die geringen Ambitionen. (PIK, 2010a)

Bis zum 31. Januar 2010 hatten mehr als 50 Länder dem Klimasekretariat der Vereinten Nationen ihre Reduktionsziele gemeldet. Aus Industrienationen stammten zehn davon und nur zwei bewirkten eine Begrenzung auf das Zwei-Grad-Ziel. Das ergeben neue Analysen mit dem Instrument „Climate Action Tracker“, das von Ecofys, Climate Analytics und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entwickelt wurde. Es zeigt, welche Länder welchen Anteil bei der weltweiten Verringerung von Kohlendioxid-Emissionen bereit sind zu leisten. Die Bereitschaft, Emissionen zu vermindern, hatte sich seit Kopenhagen insgesamt nicht verändert. (PIK, 2010b)

  • Russland erhöhte sein Angebot leicht.
  • Kanada senkte es.
  • Die Ziele der Entwicklungs- und Schwellenländer blieben gleich.
  • Mexiko, Ausrichter der nächsten Konferenz hatte noch kein Angebot eingereicht.
  • Erstmals nannten Israel, Kasachstan, die Marschallinseln und Moldawien Zahlen.
  • Jordanien, Äthiopien, Madagaskar, Marokko, der Kongo und Sierra Leone legten qualitative Vorschläge vor.
  • Die Malediven und Costa Rica wollen klimaneutral werden. Das sind die ehrgeizigsten Ziele eines Staates.
  • Auch Norwegen, Brasilien und haben gaben Ziele ab, die am oberen Ende der Skala lagen.
  • Die Europäische Union bot 20 Prozent gegenüber 1990 an. 30 Prozent würde sie ins Mittelfeld rücken.
  • Chinas Angebot lag unterhalb dessen, was nach der derzeitigen Klimaschutzpolitik des Landes zu erwarten gewesen wäre.
  • Die Vereinigten Staaten von Amerika lagen zwischen der Mitte und dem unteren Ende der Skala.
  • Russland fuhr mit einem „Business as usual“ fort. Solche Staaten befanden sich am unteren Ende der Skala. (PIK, 2010b)

Bis zum 13. April 2010 reichten 76 Länder ihre Reduktionsziele zur Kopenhagen-Vereinbarung ein. Diese Staaten sind für rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich.Auf www.climateactiontracker.org nennen Rogelj und Meinshausen Zahlen:

  • Japan und Norwegen sind die einzigen Industrieländer, deren Selbstverpflichtungen mit dem Zwei-Grad-Limit vereinbar sind.
  • Die USA gaben an, ihre Emissionen bis 2020 um 17 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 zu reduzieren. Das liegt nur nur drei Prozent unter dem Stand von 1990.
  • China will seine CO2-Emissionen relativ zum Bruttosozialprodukt um 40 Prozent gegenüber 2005 verringern. Dieses Minimalziel entspricht in etwa einer Entwicklung ohne Klimaschutzmaßnahmen.
  • Die Europäische Union (EU) bot Reduzierungen von 20 bis 30 Prozent an. Eine Senkung um 20 Prozent würde von heute bis 2020 zu geringeren jährlichen Reduzierungen führen, als bereits während der letzten 30 Jahre im Durchschnitt erreicht wurde. (PIK, 2010a) Am 26.5.2010 legte die EU-Kommission ihre Analyse zu Kosten und Nutzen vor, die eintreten, wenn die EU ihr Klimaschutzziel weiterentwickelt. Dabei kommt sie zum Schluss, dass eine 30-prozentige Emissionsminderung bis 2020 gegenüber 1990 für die EU machbar, finanzierbar und insgesamt vorteilhaft sei. Die Kosten für das Klima- und Energiepaket hätten sich durch die Wirtschaftskrise um 22 Milliarden Euro, also etwa ein Drittel, verringert. An zusätzlichen Kosten für ein 30-Prozent-Emissionsminderungsziel fallen 33 Milliarden Euro oder 0,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes an. Das sei wesentlich geringer als noch 2007 berechnet. „Der Bericht der Kommission ist eine gute Grundlage für die weiteren politischen Diskussionen“, erklärte Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen und fügte hinzu: „Die EU-Kommissarin Connie Hedegaard hat Recht: Ein anspruchsvoller Klimaschutz sichert Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Europa. Unsere Wettbewerber in anderen Weltregionen sind uns dicht auf den Fersen. Wir müssen in den Leitmärkten Energieeffizienz und erneuerbare Energien technologisch an der Spitze bleiben, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen.“ (BMU, 2010)

Insgesamt müssten sämtliche Industrieländer zusammen ihre Emissionen bis 2020 jedoch um 25 bis 40 Prozent verringern. Die Kopenhagen-Vereinbarung („Copenhagen Accord“) enthält zwar das Ziel, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen. Doch nach den bisherigen Absichtserklärungen der Länder werden die jährlichen globalen Emissionen bis zum Jahr 2020 um zehn bis zwanzig Prozent zunehmen. Dann erreichen sie Werte, deren Wirkung 47,9 bis 53,6 Gigatonnen Kohlendioxid entsprechen (Gigatonnen CO2-Äquivalente, GtCO2-eq). Damit besteht eine mehr als fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich das Erdklima im 21. Jahrhundert um mehr als drei Grad Celsius erwärmt. Das zeigen Berechnungen der Autoren. Zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels sollten im Jahr 2020 nicht mehr als 40 bis 44 GtCO2-eq emittiert werden. (PIK, 2010a)

„48 Gigatonnen CO2-Emissionen sind mit dem Zwei-Grad-Ziel nicht vereinbar. Es ist vielmehr so, als rase man auf einen Abgrund zu und hoffe, kurz davor stoppen zu können“, sagt Malte Meinshausen. Der Forscher berichtete zuvor in „Nature“ über das noch zur Verfügung stehende globale Emissionsbudget, das verbleibt, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten. (PIK, 2010a)

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3.1.2 Anwendung nur im Rahmen eines Abkommens

Dazu kommt, dass viele Länder ankündigten, dass sie ihre maximalen Reduktionsziele nur im Rahmen eines globalen Abkommens umsetzen wollen. Doch dieses Abkommen existiert noch nicht und auch für die 16. Vertragssaatenkonferenz in Mexiko wird es nicht erwartet. Die Studienautoren stellten fest, dass die Minimalziele wahrscheinlich das wahre Ergebnis der Kopenhagen-Vereinbarung sind. „Im schlimmsten Fall werden Zertifikate für mehr Emissionen ausgegeben, als wir bei einer Entwicklung ohne Klimaschutz zu erwarten hätten“, erklärte Joeri Rogelj. (PIK, 2010a)

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3.1.3 Überschüssige Zertifikate

In der Studie berücksichtigten die Autoren auch Schlupflöcher. Dazu gehören vor allem Überschüsse an Emissionszertifikaten. Wenn ein Land seine Emissionen stärker reduziert als es sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls zum Ziel gesetzt hat, kann es die überschüssigen Zertifikate später verwenden. Zwischen 2008 und 2012 existieren große Überschüsse. Rogelj und Meinshausen schätzen sie auf insgesamt elf GtCO2-eq. Der Grund: Die Ziele einiger Länder sind sehr niedrig angesetzt. Selbst ohne Maßnahmen zum Klimaschutz werden sie diese erreichen. Von den Überschüssen werden sie noch bis 2020 zehren, nehmen die Autoren an: „Alles, was profitabel ist, dürfte auch ausgenutzt werden.“ (PIK, 2010a)

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3.1.4 Beitrag Europas

3.1.4.1 Green Week Juni 2010

Am 1.6.2010 sprach der deutsche Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen in Brüssel mit Klimakommissarin Connie Hedegaard, EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Umweltkommissar Janez Potocnik. Er traf auch mit den deutschen Abgeordneten des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments zusammen. Schließlich hielt er die Eröffnungsrede der jährlich stattfindenen EU-Umweltkonferenz „Green Week“.

Zum Abschluss der Gespräche erklärte er: „Der Besuch in Brüssel hat meine Überzeugung verstärkt, dass es im ökonomischen Interesse Europas ist, beim Klimaschutz und in den Bereichen Energieeffizienz, Energieinfrastruktur und bei der Entwicklung und Produktion moderner, Ressourcen schonender Technologien Treiber und nicht Getriebener zu sein.“ Diesem Ziel diene auch der von Kommissarin Hedegaard kürzlich vorgelegte Kommissionsbericht. Er sei eine gute Grundlage für die Regierungen, um das EU-Klimaschutzziel von minus 20 auf munus 30 Prozent zu erhöhen. Deutschland sei mit 40 Prozent vorangegangen. Nun müsse es ein eigenes Interesse daran haben, andere EU-Mitgliedsstaaten zu höheren Zielen zu veranlassen. Damit würden dann denkbare Wetbewerbsunterschiede beseitigt.

Röttgen betonte in seinen Gesprächen, dass die Europäische Union die höheren Ziele nur dann erreichen könne, wenn sie eine eine ehrgeizige Effizienzstrategie mit anspruchsvollen Zielen und klaren Umsetzungsvorgaben verfolge. Auch die Integration der Energieversorgung müsse sie noch viel konsequenter vorantreiben. Die Politik Europas und der Mitgliedsstaaten habe nun die gemeinsame Aufgabe, deutlich zu machen, dass bestimmte Maßnahmen im Interesse von Wirtschaft und Verbrauchern seien. Dazu gehören ein stärkerer Ausbau von Offshore-Windparks, eine europäische Vernetzung und eine aussagefaähige Energiekennzeichnung von Produkten. „Gerade in der Krise müssen wir dynamisch bleiben, an die Zukunft glauben und in sie investieren. Wer heute zaudert, wird technologisch und wirtschaftlich zurückfallen. Die Schlüssel heißen Energieeffizienz und erneuerbare Energien“, so Röttgen.

Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass Energiepolitik und Klimaschutz lebenswichtig für die wirtschaftliche und Gesellschaftliche Entwicklung der EU sind. Eine klimaschonende Energieversorgung müsse im Zentrum aller Bemühungen zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise stehen. Gleichzeitig müsse sie Preiswürdigkeit und Versorgungssicherheit berücksichtigen. Die Regionen der Welt, die sich derzeit konsequent auf die Erholung der Weltkonjunktur vorbereiten, würden die Gewinner sein. Nur wenn Europa an der Spitze des weltweiten Klimaschutzes marschiere, würden die richtigen Impulse für technische Innovation, Beschäftigung und Wachstum gesetzt. (BMU, 2010a)

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3.1.4.2 Antrag der Grünen zu einer Erhöhung des Ziels

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen forderte am 14.7.2010 die deutsche Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene für ein bessere Klimaschutzziele einzusetzen (Drucksache 17/2485). Das gemeinsame europäische Klimaschutzziel für 2020 solle ohne Vorbedingungen auf 30 Prozent Emissionsminderung gegenüber dem Jahr 1990 erhöht werden.

Im dezember hatten sich die Mitgliedsstaaten der EU auf eine Reduktion der Treibhausgase um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 verständigt. Doch die Fraktion nennt Schätzungen der EU-Kommission, nach denen es 30 Prozent weniger koste, dieses Ziel zu erreichen. Grund sind die derzeit verringerten Emissionen in der EU. Mit zusätzlichen 33 Milliarden Euro könne man ein Minderungsziel von 30 Prozent bis zum Jahr 2020 erreichen. Damit würden sich die Gesamtkosten von 70 auf 81 Milliarden Euro erhöhen. Die Bundesregierung habe sich das Ziel gesetzt, die deutschen Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Das entspreche beinahe dem deutschen Anteil an einer europäischen Gesamtminderung von 30 Prozent. Hebe man nun auch EU-weit das Klimaschutzziel an, verpflichte das auch andere Staaten, mehr für den Klimaschutz zu tun. (hib, 2010b)

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Quellen

BMU, 2010: Dr. Christiane Schwarte, Röttgen begrüßt Vorlage der EU-Kommission zum europäischen Klimaschutz, Pressemitteilung Nr. 078/10, Bundesumweltministerium, 26.5.2010

BMU, 2010a: Dr. Christiane Schwarte, Röttgen: Europa muss Klimaschutz, Energieeffizienz und erneuerbare Energien vorantreiben, Pressemitteilung Nr. 083/10, Bundesumweltministerium, 1.6.2010

hib, 2010a: Saskia Leuenberger, Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen stellt neuen Lösungsansatz für das Weltklimaproblem vor, in: heute im bundestag (hib) Nr. 229, 2.7.2010

hib, 2010b: Saskia Leuenberger, Bündnis 90/Die Grünen für stärkere Emissionsminderung in Europa, in: heute im bundestag (hib) Nr. 251, 14.7.2010

PIK, 2010a: Patrick Eickemeier, Kopenhagen-Vereinbarung verfehlt 2°C-Klimaziel, Pressemitteilung, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 22.4.2010

PIK, 2010b: Uta Pohlmann, Kopenhagen-Vereinbarung: Nur zwei der von Industrieländern eingereichten Reduktionsangebote vereinbar mit 2°C-Ziel, Pressemitteilung, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 3.2.2010

Scripps, 2010: Scripps Researchers Outline Strategy to Limit Global Warming, Pressemitteilung, Scripps Institution of Oceanography der Universität von Kalifornien, www.scrippsnews.uscd.edu/, 3.5.2010

Originalarbeit von Ramanathan und Xu: Veerabhadran Ramanathan und Yangyang Xu, The Copenhagen Accord for limited global warming: Criteria, constraints, and available avenues, Proceedings of the National Academy of Science (PNAS), 3.5.2010

Originalarbeit 2: Rogelj, J. et al. (2010). Copenhagen Accord pledges are paltry. Nature 464, 1126–1128, DOI: 10.1038/4641126a (PIK, 2010a)

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Autor

Autor: Jörg Wieprzeck
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Aktualisierungen

05.05.2010: Artikel angelegt

06.05.2010: Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung untersuchte in einer Studie, ob die Angebote der Staaten zur Reduktion der Treibhausgase unter dem Zwei-Grad-Ziel liegen.

27.05.2010: Die Europäische Union kommt zum Schluss, dass eine 30-prozentige Emissionsminderung bis 2020 gegenüber 1990 für die EU machbar, finanzierbar und insgesamt vorteilhaft sei.

02.06.2010: Auf den jährlichen Umweltgesprächen der EU sprach Bundesumweltminister Röttgen mit Kommissaren udn Abgeordenten. Deutschland wolle seine Emissionen um 40 Prozent reduzieren und müsse nun ein Interesse daran haben, dass andere Länder dem Beispiel folgen.

02.07.2010: Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen stellt neuen Lösungsansatz für das Weltklimaproblem vor.

15.07.2010: Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen forderte die deutsche Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene für ein bessere Klimaschutzziele einzusetzen.

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