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Magazin für Umwelt- und Tierschutz
3.4 Verluste
3.4.1 Verluste seit 2004
3.4.2 Untersuchung der Bestände der Roten Koralle
3.4.3 Fischarten in isolierten Riffen sterben leichter aus
3.5 Regionen
3.5.1 Indien
3.5.2 Pazifik
3.5.3 Karibik
3.5.3.1 Riffbarsche bedrohen Korallenriffe
3.6 Lösungen
3.6.1 Künstliche Riffe
3.6.2 Fische helfen bei der Wiederbesiedelung
3.6.3 Hohe Wasserqualität macht Korallen widerstandsfähig gegen den Klimawandel
3.7 Schiffsunglücke
3.7.1 Sheng Neng 1
4 Das Internationale Jahr der Riffe
4.1 Eröffnung auf der Boot 2008
8.4.2008: Abgetaucht - Ausstellung zum Internationalen Jahr des Riffes im Berliner Naturkundemuseum eröffnet
8.4.2008: Broschüre zum Jahr der Riffe
Quellen
Aktualisierungen
Nach einem weltweiten Statusbericht zur Lage der Korallenriffe waren bereits 2004 20 Prozent der Riffe nicht mehr zu retten. An diesem Bericht, erstellt zur Klimakonferenz CoP10 in Buenos Aires, war auch die Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Den gleichen Wert nennt auch das Buch „Das Meer“ von National Geographic. Sie können sich nicht mehr erholen. 40 Prozent werden möglicherweise in den nächsten 20 bis 40 Jahren sterben. Der WWF nennt 2004 etwa 60 Prozent. Die Korallenbleiche schädigte laut WWF 2004 bereits 16 Prozent der Riffe.
"Wenn die dünne Haut der lebenden Substanz von Korallen zerstört ist, geht die weitere Zerstörung eines Riffes schnell vor sich", erklärte der Wiener Meeresbiologe Jörg Ott von der Universität Wien www.univie.ac.at/marine-biology Januar 2008. Es gebe aber Berichte, wonach sich einige der Korallenriffe sich in den vergangenen Jahren wieder erholt hätten. Er spricht davon, dass die Zahl der Korallenriffe unter den gegebenen Umständen deutlich abnehmen werde. Dabei könne es sein, dass der Bestand auf ein Zehntel seiner einstigen Größe zurückgehen werde.
Die Mediterrane Rote Koralle (Corallium rubrum) ist seit langer Zeit in der Herstellung von Schmuck hoch geschätzt. Doch intensive Fischerei, besonders in seichtem Wasser, veränderte die Bestände. Sie verhinderte auch die Wiederansiedelung der Art an den Küsten des Mittelmeeres. Dort sind die Kolonien in Tiefen von weniger als 50 Metern sehr klein. Zur Fischerei kommt nun auch der Klimawandel, der den Fortbestand der langsam wachsenden Art bedroht.
Ein Team von Wissenschaftlern untersuchte drei der ältesten Meeresschutzgebiete (Marine Protected Aeras, MPA) im Mittelmeer: Banyuls, Carry-Le-Rouet und Scandola vor der Küste von Korsika. Ziel war die Ermittlung des menschlichen Einflusses, aber auch der Effizienz von MPA bei der Bewahrung der Roten Koralle. Dort läßt sich beobachten, wie sich die Bestände ohne Fischerei entwickeln. Das Problem beim Studium solch langsam wachsender Arten ist die lange Zeit, die man zur Beobachtung benötigt, um sicherzustellen, dass genügend Daten gesammelt werden und um abzuschätzen, wie sich die Bestände entwickelt haben“, sagt Studienautorin Christina Linares von der Abteilung für Ökologie an der Universität Barcelona. Bei der Anlage der Schutzgebiete sagten sie die Entwicklung der Bestandsstrukturen voraus und kehrten dreißig Jahre später zurück, um zu sehen, wie sie sich entwickelt hatten.
Im Vergleich zu zuvor studierten Beständen sind diese bis in Tiefen von 50 Metern außergewöhnlich groß. Das gilt auch für die tiefer siedelnden Korallen. Die Studie zeige, dass MPAs ein langsames, aber wirksames Instrument sind, um die Populationen der Mediterranen Roten Koralle zu erhalten, sagt auch Koautor Joaquim Garrabou vom Institute of Marine Sciences (CSIC). Laut den Wissenschaftlern könne die Rote Koralle nicht als gefährdete Art betrachtet werden. Diese Meinung wird durch die großflächige Verbreitung dichter Bestände im ganzen Mittelmeerraum bestätigt. Dazu komme die Tatsache, dass jetzt einige Kolonien mit Durchmessern von weniger als zwei Millimetern fruchtbar sind. Die MPAs werden gut geführt und laufende Kontrolle garantiere den Schutz der Art, so die Autoren.
Doch wenn man in die Zukunft der Populationen schaut, sieht man, dass 30 Jahre Schutz nicht ausreichen, um die Kolonien auf die Größe wachsen zu lassen, die sie in den 1960er Jahren hatten. Damals hatte eine Kolonie noch 45 Millimeter Durchmesser. Der Mangel an solch großen Kolonien ist das Problem. Gerade sie tragen zur Fortpflanzung und daher auch zum Bestand der Art bei. So werde die Art weiter zurückgehen. Auch ihre Toleranz für Veränderung der Umweltbedingungen ist betroffen.
Der Schutz der Roten Koralle scheiterte auf der 16. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES).
Originalarbeit: C. Linares, O. Bianchimani, O. Torrents, C. Marschal, P. Drap, J. Garrabou, Marine Protected Areas and the conservation of long-lived marine invertebrates: The Mediterranean red coral, in: Marine Ecology Progress Series, 2010, DOI: 10.3354/meps08436
Auf den ersten Blick sieht es für einen Fisch nach einer guten Idee aus: er lebt ein ruhiges Leben in einem kleinen, isolierten Riff. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Langzeitbeobachtung im Großen Barriereriff, die sich bis Juli 2010 über 15 Jahre erstreckte. Das Große Barriereriff ist das weltweit größte Riffsystem, bestehend aus 2900 einzelnen Riffen und 900 Inseln, das sich über mehr als 2600 Kilometer erstreckt. Beteiligt waren Wissenschaftler des Australian Insitute of Marine Science (AIMS) und der Universität von Adelaide.
Nach dieser Studie sind Fische, die in kleinen isolierten Riffen leben, einer größeren Gefahr ausgesetzt, auszusterben. „Unsere Ergebnisse unterstützen die Vorstellung, dass kleine isolierte Riffe für das Aussterben lokaler Arten empfindlicher sind, denn ihre Fischbestände tendieren zur Variabilität“, sagte Projektleiterin Dr. Camille Mellin, eine Postdoktorandin des AIMS und des Umweltinstituts der Universität von Adelaide und erklärte den Umstand genauer: „Isolierte Riffe haben im Verhältnis zu miteinander verbundenen weniger einwandernde Fische aus angrenzenden Riffen. Wenn es dort eine Störung der Bestände wie durch Zyklone oder Korallenbleiche gibt, erholen sich Fischarten in isolierten Riffen langsamer. Diese Bestände reagieren nicht flexibel auf Veränderungen und werden nicht leicht wieder aufgefüllt, was die Gefahr des Aussterbens erhöht.“ Ihre Anzahl ist variabler, also Schwankungen unterworfen. Im Gegensatz dazu finden in stärker bevölkerten Riffen weniger starke Schwankungen in den Fischbeständen statt. Die Ursache liegt teilweise in der stärkeren Konkurrenz der Arten und teils in den Raubfischen, welche die Bevölkerungsgröße unter Kontrolle halten.
Dr. Mellin nennt die Schlussfolgerungen der Studie: „Unsere Forschungen zeigen, dass sich die Erhaltung von Ressourcen besser auf große, miteinander verbundene Lebensräume richten sollte.“ Ein Ergebnis der Forschungen ist eine Karte, welche die Muster der Veränderlichkeit der Fischbestände im Großen Barriereriff zeigt. „Diese neue Karte ist möglicherweise ein neues Werkzeug für die Manager des Großen Barriereriff Parks, aber es ist wichtig zu betonen, dass es nur ein Werkzeug ist. Wenn Entscheidungen im Riff fallen, muss eine ganze Reihe von Problemen in Betracht gezogen werden“, sagte Dr. Mellin. Professor Corey Bradshaw, Direktor des Ökologischen Modellierens an der Universität von Adelaide, sagte, dass die Forschung „ein wichtiges Teil im Puzzle der Meeresplanung“ ist. Wenn Daten aus anderen Riffen weltweit verfügbar sind, wird es möglich sein, Zugang zu den Bedrohungen von Arten in anderen Teilen der Welt zu erhalten, indem man die gleichen Techniken verwendet“, sagte er.
„Unsere Forschung zeigt auch den Bedarf an langfristigen Datenreihen“, sagte Dr. Julian Caley, Forschungsleiter am AIMS. „Diese Arbeit wäre ohne die Bemühungen des AIMS um Langzeitbeobachtungen des Großen Barriereriffs nicht möglich gewesen. Dieser Datensatz ist einzigartig in der Welt und der einzige, der diese Studie möglich gemacht hätte.“ Die Ergebnisse wurden im Juli 2010 Journal Ecology der Ecological Society of America veröffentlicht. (University of Adelaide, 2010)
Im Indischen Ozean waren zunächst nur Überfischung und Verschmutzung Ursache des Korallensterbens. Doch es finden dort auch El Nino genannte Klimaphänomen statt, die für höhere Wassertemperaturen sorgen. 1998 war der El Nino besonders stark. Die schwerste Korallenbleiche seit den Beobachtungen tötete 50 bis 80 Prozent der Korallen. Diesmal waren auch Gebiete betroffen, die bis dahin verschont geblieben waren oder in Schutzgebieten lagen. Heute sind 37 Prozent der Korallenriffe geschädigt, weitere 43 Prozent werden es voraussichtlich in den nächsten 30 Jahren sein. Am 24.12.2004 raste ein Tsunami über den indischen Ozean und tötete nicht nur tausende Menschen, sondern auchteilweise 500 Jahre alte Korallen.
Für 2 Millionen Bewohner der Inseln des Pazifischen Ozeans sind Riffe Teil der Kultur und Lebensweise. Sie bieten Nahrung durch Fischerei und Schutz vor den Wirbelstürmen. Auch hier sind Überfischung und die Einleitung von Sedimenten die Ursache für Schäden. Durch das Bevölkerungswachstum verstädtern die Inseln. Die Städte leiten Abwässer ins Meer und schaden den Riffen zusätzlich. Die Schäden halten sich hier in Grenzen. Nur 4 Prozent der Korallenbestände sind gefährdet, langfristig kommen die Folgen des Klimawandels hinzu.
Die Einwohner erkennen die Probleme und entwickeln Programme für die Überwachung und ein vernetztes Management. Die Regierungen der betroffenen 20 Inselstaaten indes handeln nicht. Entweder erkennen sie das Problem nicht, können sich dem wirtschaftlichen Druck nicht entziehen oder es fehlt einfach das Geld und das Personal für Schutzmaßnahmen.
Nach Beobachtungen des AIMS erwärmte sich das Great Barrier Reef seit dem 19. Jahrhundert um nur 0,4 Grad Celsius. Doch die Wissenschaftler sagen, dass dies für einen größeren Schaden ausreicht. 1998, 2002 und 2006 lag die Wassertemperatur einen bis zwei Grad Celsius über dem Durchschnitt und in diesen Jahren traten auch größere Korallenbleichen auf.
Riffbarsche (Damselfishes) töten Kopfkorallen und setzen damit karibische Korallenriffe unter Stress. Dabei sind die Riffe durch den Klimawandel, Korallenkrankheiten, Hurricans, Verschmutzung und Überfischung ohnehin in sehr schlechter Verfassung. Die Wiederansiedelung der bedrohten Geweihkoralle, die Lieblingsheimat der Riffbarsche wird gemäß einer in PLoS One veröffentlichten Studie den Druck von den anderen Korallen nehmen.
Die kleinen kriegführend territorialen Threespot Riffbarsche töten Teile von Korallenkolonien, um Gärten von Algen anzulegen, die sie als Futtergründe und Nester für den Nachwuchs nutzen. Meereswissenschaftler dachten, dass Überfischung von Zackenbarschen und Schnapperfischen in der Karibik die Riffbarsche von ihren Jägern befreiten. Das habe ihnen erlaubt, in großer Zahl über die Riffe auszuschwärmen und mehr Korallen zu töten als je zuvor.
Doch der Korallenökologe und Studienautor Rich Aronson vom Florida Institute of Technology hält die Ansicht für falsch. Die Untersuchungen seines Teams hätten gezeigt, dass die Zahl der Raubfische kein Schlüssel dazu sei, wieviele Threespot Riffbarsche im Riff leben. Bis in die 1980er Jahre legten die Tiere ihre Gärten in Geweihkorallen an, zu dieser Zeit die häufigste Koralle in der Karibik. Die Geweihkoralle, die ihren Namen von ihren langen, dünnen Zweigen hat, wuchs sehr schnell und konnte daher die Angriffe des Fisches ausgleichen. Der Fisch wiederum bevozugte die Korallenart wegen ihres Gewirrs von Zweigen, in dem er sich verstecken, fressen und nisten konnte. Trotz des Verbisses gediehen die Korallen. Diese Abhängigkeit hatte lange Tradition. Auch fossile Funde zeigen, dass die Barsche seit mindestens 125.000 Jahren üblicherweise Geweihkorallen in der Karibik nutzten, lange vor der Befischung der Riffe. „Threespot-Riffbarsche sind vor allem durch das Habitat beschränkt“, erklärte Koautor Les Kaufman.
Doch dann wurden ihre Bestände durch Krankheiten, Hurricans und andere Umwelteinflüsse dezimiert. Inzwischen ist sie unter dem US-Gesetz über die gefährdeten Arten (US Endangered Species Act) unter bedroht aufgeführt. Nachdem sie hunderttausende Jahre dominierten, verschwanden sie plötzlich. Damit konnten sie auch keinen Lebensraum mehr bieten. So machten sich die Barsche über die langsam wachsenden Korallenköpfe her. Doch sie waren aus Sicht der Riffbarsche nicht der ideale Lebensraum. Sie boten weniger Möglichkeiten, sich zu verstecken. Sie wuchsen aber auch nach dem Verbiss viel langsamer nach. Hunderte Jahre hätten sie benötigt, um sich zu erholen. Die Lösung sehen die Forscher in der Wiederansiedelung der Geweihkoralle. Dann würde das Gleichgewicht zwischen Korallen und ihren Freßfeinden wiederhergestellt.
(Aronson et al, 2010)
Es wären mehrere Gegenmaßnahmen denkbar:
Vor der indonesischen Insel Bali begannen 2007 der am 11.8.2007 verstorbene deutsche Architekt Prof. Wolf Hilbertz und der US-amerikanische Meeresforscher Dr. Thomas J. Goreau, mit dem Bau künstlicher Riffe. Goreau erforschte bereits 200 Riffe weltweit. Sie gründeten die Coral Reef Alliance (GCRA), eine gemeinnützige Organisation zur Vermehrung, zum Schutz und Verwalten von Korallenriffen. Mehr Informationen dazu bietet die Website http://www.globalcoral.org. Das Verfahren zur Herstellung der Kunstriffe wird Biorock Prozess genannt.
Die Pioniere bauen künstliche Riffe und versenken sie im Meer. Hilbertz lieferte dazu den Bauplan. Dazu nutzte er im Meer vorhandene Mineralien. Der Architekt meinte, das Meer sei die größte zusammenhängende Mine der Welt, die man intelligent nutzen könne. Man könne sie zwar nutzen, sollte sie aber nicht ausbeuten. Daher müsse er das Material nicht heranschaffen.
Beim Tauchen sieht Goreau immer häufiger zerstörte Riffe. Unter anderem ist das Fischen mit Dynamit die Ursache. Dynamitfischen ist die verheerendste Fangmethode. Dabei werden auch die in Tausenden von Jahren entstandenen Kalkgebirge zerstört. Bruchstücke entstehen. Zwischen den Trümmern finden die Taucher finden abgebrochene Korallen. Allein würden sie im Meer treiben und absterben. Doch die Taucher retten die Korallen und bauen mit ihnen ein neues Riffe.
Die Rettung ist ein Stahlgestell, so groß wie zwei Autos. Etwa sechzig Helfer sind dazu notwendig, es zu versenken. Zunächst hängt es an Schwimmbojen. Entfernt die Mannschaft die Bojen eine nach der anderen, sinkt das Gestell kontrolliert auf den Meeresgrund. Es darf nicht zu schnell sinken, damit es am Ziel nicht auseinander bricht. Bestückt wird es mit den festgebundenen Korallenbruchstücken, die als Setzlinge dienen. Dann setzen die Taucher das Gitter unter schwachen Strom (4,6 Ampere). So setzt eine Elektrolyse ein. Das führt dazu, dass im Meerwasser gelöste Mineralien an den kathodischen Oberflächen absetzen. Der abgesetzte Kalk wächst zu Kalkstein- und Brucitstrukturen. Sie ähneln den Strukturen, die man auch an den Riffen oder den Stränden tropischer Strände findet. Auf dieser Kalkschicht können Korallen schneller wachsen. Nach zwei bis acht Jahren bilden sich bereits zusammenhängende Korallenstrukturen. Sehr bald besiedeln auch die typischen Riffbewohner den neuen Lebensraum. Hilbertz leitete 100 solche Aktionen. Inzwischen gibt es die Kunstriffe vor den Malediven, den indonesischen Inseln, den Seychellen, Mexiko, Panama, Thailand, Papua Neuguinea und Saya de Malha Banks im Indischen Ozean.
Einer Studie australischer Wissenschaftler der James Cook Universität in Townsville zeigt die Bedeutung der Fische für die Wiederbesiedelung von Riffen. In Untersuchungen hielten sie durch Käfige die Fische von Teilen der zerstörten Riffe fern. So stellten sie fest, dass die Wiederbesiedelung und den ungeschützen Bereichen drei Mal so schnell vor sich ging als in den abgeschirmten. Die Ursache: Die Fische weiden wie Rasenmäher Algen und andere Gewächse von abgestorbenen Korallen ab. Sind die Kalkskelette frei von Bewuchs, fällt es den jungen Korallen leichter, sich auf ihnen anzusiedeln. Dazu der Studienautor Terry Hughes: "Vor allem pflanzenfressende Fische spielen eine wichtige Rolle in der regenerativen Kapazität, um abgestorbene Korallen frei von Bewuchs zu halten, sodass junge Korallen sich wieder erholen können". Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die Papageien- und Kaninchenfische. Daher müsse die Fischerei in den Gebieten dringend kontrolliert werden.
Am Barriere-Riff wurden in den vergangenen Jahren Schutzgebiete eingerichtet. Laut Peter Doherty vom Australian Institute of Marine Science habe das zu einer Zunahme bei allen Lebewesen geführt. Das wirke sich auch auf das Meer außerhalb der Schutzgebiete aus. Vor allem wichtige Fischarten wie der Leopard-Felsenbarsch und der Schnapper konnten sich wieder vermehren. Die Lage der Korallenriffe habe sich damit zwar verbessert, erklärten die Forscher. Dennoch müssen weiterhin die Abwässer aus Landwirtschaft und Industrie sowie die Emission von Treibhausgasen verringert werden. Phosphate aus den Abwässern sind Ursache für die Bildung Toter Zonen.
Die Verbesserung der örtlichen Wasserqualität erhöht die Widerstandsfähigkeit von Korallenriffen gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Das zeigt eine Studie des Korallenriff-Ökologen Robert van Woesik vom Florida Institute of Technology und seines Studenten und Leitautoren Dan Wagner. Sie zeigt konkrete Beweise für eine Verbindung zwischen dem Zustand der Umwelt und den Aussichten für Korallenriffen in einer sich schnell ändernden Welt. Als sich die Gewässer der Florida Keys sich in den vergangenen Sommern erwärmten, waren die Korallen gesünder, die in sauberem Wasser mit weniger Nährstoffen lebten. Andererseits wurden Korallen in schmutzigerem Wasser krank und starben an Korallenbleiche. „Die Regulierung der Abwässer vom Land wird den Korallen helfen, der Veränderung des Klimas zu widerstehen“, sagte von Woesik. „Angesichts des Klimawandels und der Erwärmung der Meere gibt die Studie Managern Hoffnung, dass die Aufrechterhaltung einer hohen Wasserqualität Korallen verschonen kann.“ Das Team veröffentlichte seine Studie im Juni im Magazin Ecology Progress Series: http://www.int-res.com/abstracts/meps/v408/p65-78 . (FIT, 2010)
Am 3. April 2010 legte ein chinesische Kohlefrachter Sheng Neng 1 vom Australischen Hafen Gladstone an der australischen Nordostküste ab. Um von dort aus das offene Meer zu erreichen, musste er das größte Korallenriff der Welt passieren, das Great Barrier Reef. Auf der Fahrt kam er 15 Kilometer vom Kurs ab und lief bei den Keppel Inseln auf Grund. Diese Zone ist für den Schiffsverkehr gesperrt. Geladen hat er 1000 Tonnen Öl. Festgefahren heißt, dass er auf dem harten Kalk des Riffes aufgelaufen ist. Die Wellen des Meeres bewegen ihn ständig über dem harten Untergrund und es besteht die Gefahr, dass der Rumpf beschädigt wird und auseinanderbricht. Noch am folgenden Tag versuchten Schlepper, das 230 Meter lange Schiff zu stabilisieren. Eine Gruppe von Fachleuten ging an Bord, um die Aktion zu koordinieren. Bis zum 5. April liefen bereits zwei Tonnen Öl aus. Die Regierungschefin des australischen Bundesstaates Queensland kündigte genaue Untersuchungen an. Dem Reeder droht eine Strafe in Millionenhöhe.
1998 sind beispielsweise bei der Havarie des Holzfrachters Pallas vor Amrum nur 60 Tonnen Schweröl ausgetreten. Doch schon durch diese relativ geringe Menge wurden mindestens 16.000 Seevögel getötet und weitere Zehntausende verölt.
Das Riff ist von der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) bereits als so genannte PSSA (Particular Sensitive Sea Area), also ein besonders sensibles Meeresgebiet eingestuft. Weltweit genießen nur rund ein Dutzend Meeresgebiete diesen Schutzstatus. Dazu zählen das Wattenmeer und Teile der Ostsee. Dennoch wurden wichtige Maßnahmen zum Schutz bislang nicht umgesetzt. Für den WWF zeigt der Unfall einmal mehr die mangelnden Sicherheitsstandards auf See. „Die Schiffssicherheit muss angesichts des zunehmenden Verkehrs auch in sensiblen Meeresgebieten dringend erhöht werden“, betont Stephan Lutter vom WWF Deutschland. Er fordert eine Lotsenpflicht für Gebiete wie das Great Barrier Reef. Dadurch lasse sich die Unfallgefahr verringern. Überdies müsse das besonders giftige Schweröl als Schiffstreibstoff verboten werden. „Keiner würde auf die Idee kommen, mit schlammigen Schuhen über edle Teppiche zu laufen, aber auf See kennt man wenig Skrupel“ so Stephan Lutter. Schweröl darf an Land als Treibstoff nicht eingesetzt werden, sondern muss als Sondermüll aufwändig entsorgt werden. (Petersen, 2010)
Am 25. Januar eröffnete der Abenteurer Arved Fuchs auf der Düsseldorfer Messe Boot 2008 das zweite Internationale Jahr des Riffs 2008 (IYOR 2008). Initiator des Jahres ist die Internationale Korallenriff-Initiative. Die Bühne stand in Halle 3, in der Taucher die Zielgruppe waren.

Abbildung 3: Prof. Dr. Reinhold Leinfelder (2. von links), Prof. Helmut Schumacher (3. von links), Arved Fuchs (4. von links), Prof. Dr. Franz Brümmer (5. von links), Dr. Heiss (6. von links) Foto: 2008 Jörg Wieprzeck
Der Generaldirektor des Museums für Naturkunde in Berlin Prof. Dr. Reinhold Leinfelder erklärte, die Korallenriffe der Erde haben einen Wert von zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der Moderator erinnerte an das Jahr 1997, in dem das erste Jahr des Riffs stattgefunden habe. Ob denn aus dieser Zeit heute noch Erfolge sichtbar seien. Leinfelder antwortete, vieles sei nachhaltig geblieben. Rifftaucher überwachen gemeinsam mit Wissenschaftler die Riffe. Es gehe den Biotopen jedoch weiter schlecht und es gebe neue Bedrohungen.
Der Moderator fragte Arved Fuchs, warum er sich nun mit Riffen befasse. Schließlich sei er doch Eisforscher. Fuchs darauf: „Wer sagt, dass man in kaltem Wasser nicht taucht? Ich tauche seit 30 Jahren.“ Auf den Klimawandel angesprochen, erinnerte er sich: „Früher hätte ich gelächelt, wenn mir jemand gesagt hätte, wir könnten das Klima verändern. Wer sind wir Menschen, dass wir das Klima ändern können? Nun denke ich anders darüber.“ Die Arktis erwärme sich doppelt so schnell als der Rest der Erde. Wir müssen umdenken. Unser Konsumverhalten sei noch nie zeitgemäß gewesen. Der Erhalt der Umwelt habe grundsätzliche Bedeutung für die Menschheit. Jeden Tag sterben 150 Arten aus. Das können wir uns nicht leisten.
Fuchs warte nun mit Spannung auf die UN Naturschutzkonferenz im Mai in Bonn. Auf der Klimakonferenz in Bali habe zwar auch nichts Überwältigendes stattgefunden, aber es seien Zeichen gesetzt worden. Er hoffe, dass das Problem nicht nur verwaltet wird, sondern auch ein Umdenken stattfinde. Dabei hoffe er nicht nur auf die Medien, sondern auch auf die Entscheidungsträger der Wirtschaft. Nun fragte der Moderator, ob man denn gar nicht mehr tauchen solle. Fuchs dazu: „Jeder Taucher ist ein Multiplikator und kann andere ansprechen. Taucher aus anderen Ländern haben vielleicht nicht den Kenntnisstand, aber man kann mit ihnen reden.“ Außerdem sei Tauchen wichtig. Man kann nur lieben, was man kennt. Wir brauchen Menschen, die das Riff lieben und ein Interesse haben, es zu erhalten.
Professor Helmut Schumacher vom Institut für Ökologie der Universität Essen, Autor und Rifforscher, sprach über seine Erfahrungen. Er erklärte, er sei seit 40 Jahren tätig und habe in der Zeit nur einen Niedergang der Riffe erlebt. Eine Degradation trete auf. Zu viele Taucher schaden dem Riff. Sie halten sich daran fest, verkeilen sich darin mit den Flossen. Boote bringen Konserven und Konsumgüter auf die Inseln. Und das, was die Schiffe an Bord hatten, landet dann im Riff. Die LTU habe einmal eine Aktion gehabt, die Zahnpastatuben wieder mitzunehmen. Jeder Schritt sei mit Kosten verbunden. Wenige Skifahrer machen nichts aus, aber viele zerstören die Alpen. Man müsse die Taucher für die Problematik mehr sensibilisieren.
Auch Professor Dr. Franz Brümmer vom Verband deutscher Sporttaucher sprach zur Eröffnung. Er erklärte: „Wir haben viel getan, aber noch nicht genug. Es ist nicht mit einem Verbot getan.“ Er empfehle, nur als gut ausgebildeter Taucher zu tauchen. Sie seien Kooperationen mit Polen, Tschechien und Thailand eingegangen, um ein Bewusstsein zu schaffen. Das Privileg, beim Tauchgang das Riff zu erleben, sollte verpflichten.
Dr. Georg Heiss vom Museum für Naturkunde in Berlin und Projektmanager des Internationalen Jahrs des Riffs 2008, kündigte eine Veranstaltung im eigenen Haus an. Am 9. April eröffne Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Ausstellung „Abgetaucht“. In ihr werden neueste Erkenntnisse vorgestellt. Das Forschungsschiff Aldebaran sei von Hamburg aus nach Belize aufgebrochen.
Am 8.4.2008 eröffnete die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug in Berlin und der Direktor des Museums für Naturkunde in Berlin, Prof. Reinhold Leinfelder die Ausstellung Abgetaucht. Die Sonderausstellung zum Internationalen Jahr der Riffe bietet in den kommenden sechs Monaten die Möglichkeit, in das Ökosystem Riff einzutauchen und dessen faszinierende Unterwasserwelt zu entdecken. „Die zerbrechliche Welt der Riffe ist bedroht wie nie zuvor. Klimawandel, Fischerei und Meeresverschmutzung zerstören zunehmend diese ‚Regenwälder der Meere’“, mahnte Klug.
In Riffen tummeln sich fast alle Gruppen des Tierreichs: von primitiven Einzellern über Muscheln, Schnecken und Fischen bis zu Reptilien und sogar Säugetieren wie Delfine und Seekühe. 3.800 Korallenarten leben hier sowie ein Viertel aller weltweit vorkommenden Fischarten. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass bis zum Jahr 2030 rund 60 Prozent der Korallenriffe absterben könnten. „Mit der Ausstellung „abgetaucht“ wollen wir vor allem die Neugier auf das unersetzliche und bedrohte Ökosystem Riff wecken. Denn Dinge zu kennen und von ihnen zu wissen, das ist die Voraussetzung für Wertschätzung und Schutz“, sagte Klug.
Das Bundesumweltministerium veröffentlicht das Magazin „Riffe – Regenwälder der Meere“. Im Internet unter http://www.bmu.de/41106
Aronson et al, 2010: Distressed Damsels Stress Coral Reefs, in PLoS One, 6.6.2010, Originalarbeit: Precht WF, Aronson RB, moody RM, Kaufman L, Changing Patterns of Microhabitat Utilization by the Threespot Damselfish, Stegastes planifrons, on Cribbian Reefs, in: PLoS ONE, 2010, DOI: 10.1371/journal.pone.0010835
FIT, 2010: Study Shows Cleaner Water Mitigates Climate Change Effects on Florida Keys Coral Reefs, Pressemitteilung, Florida Institute of Technology, 6.7.2010
Lajeunesse et al, 2010: Coral and Global warming, Pressemitteilung, University of Delaware, 7.5.2010
Petersen, 2010: Ilka Petersen, Öl-Alarm im Unterwasserparadies, Pressemitteilung, WWF, 6.4.2010
Science, 2010: Computer Model Helps Biologists Understand How Coral Dies in Warming Waters, Science Daily, 29.3.2010
University of Adelaide, 2010: Isolation a thread to Great Barrier Reef fish, Pressemitteilung, University of Adelaide, http://www.adelaide.edu.au , 6.7.2010
Autor: Jörg Wieprzeck
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29.01.2008: Artikel angelegt
06.04.2010: Der chinesische Kohlefrachter Sheng Neng 1 lief mit 1000 Tonnen Öl auf dem Great Barrier Reef auf.
12.05.2010: Meeresschutzgebiete erhalten im Mittelmeer Bestände der Roten Koralle.
08.06.2010: Seit Geweihkorallen in der Karibik verschwanden, zerstören Riffbarsche Korallenriffe.
09.07.2010: Hohe Wasserqualität macht Korallen widerstandsfähig gegen den Klimawandel.
BUND fordert Sicherung des größten deutschen Biotopverbundes
Korallenriffe - Kaltwasserkorallen
Korallenriffe - Regenwälder der Meere Teil 1
Korallenriffe - Regenwälder der Meere Teil 2
Meeresschutz für Nordsee und Nordostatlantik
Michael Müller bei deutsch-ukrainischer Konferenz zum Gewässerschutz
Regenwälder 2: Folgen der Entwaldung
Regenwälder 3: Südamerika - Ursachen der Rodung des Amazonas-Waldes
Regenwälder 4: Südamerika - Der Kampf um den Wald
Regenwälder 5: Regenwälder Südostasiens
Regenwälder 6: Was kann man gegen die Abholzung tun?
Wald und Papier: Urwaldzerstörung und Alternativen
Welttag der Feuchtgebiete am 2.12.2010
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